Hallo liebe Leute,
nachdem ihr nun eine Weile wieder nichts von mir vernommen habt, versuche ich nun die Erlebnisse der vergangenen 2 Monate zusammenzufassen. Anfangen werde ich in altbewährter Manier da, wo ich beim letzten mal aufgehört habe.
Bevor ich mich also auf die lange Reise nach Cancun machen konnte, waren noch einige Reisevorbereitungen zu treffen, welche im Wesentlichen darin bestanden meinen Bus reisefit zu bekommen. Auf der Rückfahrt von Uruapan war beispielsweise unvermittelt die Fensterscheibe auf der Fahrerseite mit einem lauten Knall heruntergefallen, da wohl irgendein 40 Jahre alter Seilzug das Zeitliche gesegnet hatte. Dank meiner technischen Versiertheit konnte ich dieses Manko jedoch fachmännisch mit dem Deckel einer PET-Flasche reparieren, indem ich selbigen so im Fensterrahmen verkeilte, dass die Scheibe oben blieb. Danach musste ich mir nur noch ein Handschuhfach aus Pappe basteln, mein Lucha-Libre-Maskottchen am Innenspiegel befestigen und es konnte losgehen.
Zunächst machte ich mich auf den Weg nach Mexico-Stadt. In gemäßigten Reisetempo, also mit Vollgas, ging es ab auf die Autobahn. Leider stellte sich schnell heraus, dass meine Fensterscheibenhaltekonstruktion suboptimal war. Zum einen da ich an jeder Autobahnkasse (Die Autopistas sind in Mexico nämlich leider kostenpflichtig und auch nicht eben billig) den vermaledeiten Flaschendeckel mit der einen Hand aus dem Türrahmen friemeln musste, während ich mit der anderen nach meinem Portemaine fingerte, und zum anderen weil die Scheibe in regelmäßigen Abständen und aller Bemühungen zum Trotz mit einem lauten Knall wieder nach unten fiel. Zur Ehrenrettung meiner Mechanikerkenntnisse muss ich aber sagen, dass mein selbstgebasteltes Handschuhfach bis zum Schluss gehalten hat.
Irgendwann musste ich die Autobahn dann aber verlassen, um ein Stück Landstraße (carretera) zu fahren. Also ordnete ich mich schön rechtzeitig rechts ein, um die Abfahrt auch nicht zu verpassen und als ich ich gerade abfahren wollte, überholt mich, mit gefühlten hundert Sachen, ein Lastzug mit zwei Anhängern, zieht nach rechts, da sich die Abfahrt auf eine Spur verengt, und rammt mich schließlich volles Rohr, obwohl ich noch eine Vollbremsung hinlege.
Da sich der feine Herr Fernfahrer aber nicht im Geringsten dazu veranlasst sah anzuhalten und nach dem Rechten zu sehen, sah ich mich gezwungen die Verfolgung aufzunehmen. Nun muss ich leider sagen, dass so ein VW-Bus viele Vorzüge hat, sich aber für wilde Verfolgungsjagden nur bedingt eignet. Dennoch hatte ich den Lastzug zwei Dörfer später eingeholt. Damit endete mein Plan aber und mir fiel auf das ich keine Ahnung hatte wie ich nun weiter verfahren sollte. Wenn ich mir aber einer Sache sicher war, dann der Tatsache, dass ich keinen Streit mit einem mexikanischen Fernfahrer anfangen wollte. Besonders, nachdem ich einige Folgen von „die Ice Road Truckers“ auf RTL-Now gesehen hab. Mit den Typen ist nicht zu spaßen. Also gab ich die Verfolgung auf und hielt erstmal an um den Schaden zu inspizieren. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass nur die Stoßstange ramponiert war und der linke Außenspiegel fehlte.
Also setzte ich meine Reise fort. Es ging vorbei an zahlosen Vulkanen, endlosen Maisfeldern und durch dichte Wälder. Am Abend erreichte ich schließlich, nach zehn Stunden Fahrt, wovon ich allerdings zwei Stunden im Feierabendverkehr von Mexico-Stadt verbrachte, mein erstes Etappenziel, das Haus meines Onkels Carlos, wo ich, nach einer kleinen Stärkung, todmüde ins Bett fiel.
Am nächsten Morgen stand zunächst ein Frühstück mit Carlos, Melissa, meiner Tante Lusanna und meinem Opa Ruperto auf dem Programm. Danach verabschiedete ich mich von meiner Sippe und nahm die zweite Etappe in Angriff. Zunächst galt es sich durch den Verkehr zu kämpfen und die Autobahn Richtung Puebla zu erreichen. War ein bisschen wie im Autokorso bei der Fussball-WM, nur, dass die Mexikaner das jeden Tag machen. Ich hätte wirklich gerne mitgehupt, nur leider funktioniert meine Hupe nicht.
Auf der Autobahn war der Verkehr nicht weniger dicht, was vielleicht daran lag, dass inmitten der rollenden Blechlawine eine Art Fackellauf und ein Radrennen stattfanden. Die Läufer waren Gläubige, die, zu Ehren der Jungfrau von Guadalupe, aus dem ganzen Land kamen und aus jedem Ort eine Fackel nach Mexico trugen. Und ein bisschen gläubig sollte man schon sein, wenn man auf mexikanischen Autobahnen Fackelläufe veranstaltet. Was es mit dem Radrennen auf sich hatte, hab ich nicht rausfinden können. Vielleicht ein paar Katholiken, die zu faul zum Laufen waren. Vielleicht aber auch einfach ein stinknormales Radrennen.
Irgendwann entspannte sich der Verkehr. Ich passierte Puebla und fuhr weiter Richtung Atlantik. Der Weg führte zunächst über breite Straßen, dann in immer schmaleren Serpentinen durch das Hochland Mittelmexicos und während es in Mexiko-Stadt noch angenehm warm war, wurde es nun schnell kälter und sehr neblig. Eine Seite Mexikos, die ich bis dahin noch nicht kennengelernt hatte. Es war tatsächlich Schweinekalt.
Nach etwa 10 Stunden Fahrt, die Dank einiger Anhalter, die ich mitnahm, recht schnell vergingen, erreichte ich endlich den Atlantik. Die Nacht verbrachte ich in Coatzacoalcos. Genauer gesagt auf einem Tankstellenparkplatz, eingewickelt in eine Decke, die seit einem kleinen Malheur mit einem undichten Kanister, stark nach Benzin roch.
Am nächsten Tag gings an der Atlantikküste entlang bis nach Merida.
An dieser Stelle mal ein paar allgemeine Bemerkungen zum Thema Verkehr in Mexico. Zunächst muss ich sagen, dass es hier gesitteter zugeht, als der eine oder andere vielleicht denken mag. Es gibt natürlich Ausnahmen, wie ich selbst erfahren musste. Die Qualität der Straßen lässt sich pauschal kaum beurteilen. Meist sind sie in einem schlechten, aber befahrbaren Zustand, will sagen, dass man gelegentlich ein bisschen durchgeschüttelt wird, weil Schlaglöcher recht notdürftig ausgebessert sind, mehr aber auch nicht. Ausnahmen gibt es jedoch auch hier. Immer wieder landet man relativ unvermittelt auf Straßen, die wirken als gelte dort allgemeine Schneekettenpflicht. Knietiefe Schlaglöcher wohin das Auge schaut. An anderen Orten ist die Straße urplötzlich nicht mehr asphaltiert. Ein großer Spaß.
Ein weiteres Ärgernis sind die unzähligen Topes, Bodenwellen, die den Fahrer zur Mäßigung des Tempos anhalten sollen. Topes tauchen in allen Größen und Formen überall auf. Wenn man Glück hat sind sie markiert, verlassen sollte man sich darauf nicht, denn falls man einen von den unmarkierten Topes übersieht, dann kann man sich glücklich schätzen, wenn sich nur sämtliche Stoßdämpfer und die Ölwanne verabschieden.
In Merida angekommen, mietete ich mir zur Feier des Tages ein Zimmer mit Dusche und unternahm einen abendlichen Spaziergang durch die weihnachtlich geschmückte Stadt. Bei den tropischen Temperaturen, wollte allerdings keine rechte Weihnachtsstimmung aufkommen.
Am nächsten Tag setzte ich die Erkundung der Stadt fort. Eilig hatte ich es schließlich nicht mehr. Lisa musste ich erst am Abend des nächsten Tags abholen. Erst am späten Nachmittag machte ich mich auf den Weg, die verbleibenden 300 Kilometer nach Cancun zu absolvieren.
Doch als ich am Abend dort ankam, fing just als ich das Ortsschild passierte der Motor an zu stottern und ich schaffte es gerade noch zu einer Werkstatt, bis garnichts mehr ging. Da ich aber sicher angekommen war und es auf den 2200 Kilometern, die ich bis dahin bewältigt hatte sicher ungünstigere Stellen gegeben hat, um liegenzubleiben, ließ ich meinen fahrbaren Untersatz zur Reperatur in besagter Werkstatt und nahm mir gutgelaunt ein Taxi zu meiner Unterkunft.
Am nächsten Abend fuhr ich zum Flughafen, wo, pünktlich, aber ohne Gepäck (das lag derweil noch in Atlanta rum und wurde erst zwei Tage später geliefert), Lisa zur Abholung bereitstand.
Da mein Automobil aufgrund fehlender Ersatzteile noch nicht einsatzbereit war, fuhren wir mit einem Linienbus nach Tulum, das vielleicht 120 km südlich von Cancun liegt. Dort mieteten wir uns in einer schlichten Strand-Cabaña ein.
Natürlich wollte ich direkt ins Meer, also schnell die Badehose angezogen, die Schnorchelausrüstung zusammengerafft und schon konnte man mich mich mit großen Schritten ungestüm über den Strand Richtung Meer heizen sehen. Etwas zu ungestüm, denn ich hatte kaum das Wasser berührt, da war mein Schnorchel von einer Welle erfasst und fortgespült worden, mein geliebter Schnorchel, der mir stets treue Dienste leistete, den ich aus Deutschland mitgebracht hatte und der an diesem denkwürdigen Tag erstmalig in Mexiko zum Einsatz kommen sollte. Aber das Meer ist halt unerbittlich (…das weiß ich aus diversen Filmen wie Open Water, Der Sturm oder Findet Nemo) und auch noch langer Suche tauchte mein gelber Lieblingsschnorchel nicht wieder auf.
Trotzdem verbrachten wir eine sehr schöne Zeit in Tulum. Wir schauten uns die dortigen Maya-Ruinen an, die, insbesondere durch ihre Lage am Meer, absolut spektakulär sind. Die meiste Zeit lungerten wir jedoch am Strand rum.
Nach drei Tagen holten wir schließlich meinen Bus in Cancun ab und fuhren weiter nach Chitzen Itza, wo wir am Abend ankamen und einen kleinen Trailerpark aufsuchten. Chitzen Itza ist die bekannteste der Maya-Anlagen in Yucatan, vorallem wegen el Castillo, der zentralen Pyramide der Anlage.
Am nächsten Morgen fuhren wir jedoch zunächst zum Baden zu einer Cenote, das ist so ´ne Art unterirdischer See. Danach besichtigten wir die Ruinen und nachmittags gings weiter nach Merida, dass ich ja auf dem Hinweg schon gesehen hatte. Dort verbrachten wir auch diesmal nur eine Nacht und fuhren gleich am nächsten Tag weiter nach Uxmal, einer weiteren Pyramidenanlage, mitten im Dschungel und mindestens genauso spektakulär wie Chitzen Itza.
Am Abend ging’s schließlich nach Campeche, einer Hafenstadt am Atlantik, die mit einer sehr einheitlichen und wunderschön restaurierten Altstadt glänzt. Da wir nun schon ein paar Kilometer gereist waren, schon länger nicht an einem Ort mehr als eine Nacht verweilt hatten und zudem zwei Tage prähispanischer Kultur hinter uns hatten, entschieden wir uns hier einen ganzen, gemütlichem Tag Pause zu machen.
Unsere nächste Station hieß Palenque. Dort kamen wir nach einem langen Tag im Auto an und fanden Unterkunft bei einem Landwirt, der nebenbei ein paar Zimmer vermietete.Vielleicht war es aber auch ein Hotelier, der nebenbei ein paar Kühe hielt. Jedenfalls durften wir für 5,50 € pro Nacht bei ihm übernachten.
Schon früh am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zu den Wasserfällen von Agua Azul. Die liegen zwar nur etwa 50 Kilometer entfernt von Palenque, die Straße dorthin führt aber mitten durch Zapatistengebiet (Die Zapatistas sind eine indigene Guerillatruppe) und besteht zudem praktisch nur aus Kurven. Wenn es mal ein Stück geradeaus geht, dann ist die Fahrbahn mit Topes gespickt oder man wird von einer Horde Kindern und alten Damen mit einer quer über die Fahrbahn gespannten Leine zum Anhalten gezwungen, damit diese ihre Kokosnüsse, Orangen oder was auch immer zum Kauf anbieten können. Unser Ziel erreichten wir nach zwei Stunden schließlich trotzdem.
Als wir schon beinahe da waren, wurden wir ein weiteres Mal mal angehalten, diesmal von ein paar Zapatisten, die sich als Parkwächter ausgaben und uns jeweils 50 Pesos (etwa 2,70 €) Eintritt in den Nationalpark Agua Azul berechnen wollten. Als ich aber gerade mein Portemoine zückte, witterte einer der jungen Männer seine Chance und wollte mir irgendeine Strafgebühr berechnen, weil ich irgendeine Haltelinie überfahren haben sollte. Ich hingegen witterte Betrug, fuhr ohne zu Bezahlen weiter und wir hinterließen eine Meute enttäuscht fluchender Kleinganoven.
Die Wasserfälle von Agua Azul sind ein beeindruckendes Schauspiel. Es handelt sich um über 500 Kaskaden, die in mehreren Stufen hinabfallen. Das Wasser sammelt sich dabei in Becken aus Kalk, und in einigen kann man auch baden.
Zurück in Palenque (den Zapatisten konnten wir auf dem Rückweg entkommen) stand noch am selben Nachmittag eine Besichtigung der Maya-Ruinen an. Diese zeichnen sich durch eine sehr besondere Atmosphäre aus, da sie mitten im Urwald liegen und die dort beheimatete Fauna für eine angemessene Geräuschkulisse sorgt. Besonders die Brüllaffen, die uns auch Nachts den Schlaf raubten, machten ihrem Namen Ehre.
Am nächsten Tag, Heiligabend, hieß das Etappenziel San Cristobal de las Casas. Zunächst ging es aber nach Misol-Ha, einem weiteren Wasserfall, der weiter flussabwärts und nur 15 Minuten von Palenque entfernt liegt.
Ein Teil der Strecke nach San Cristobal kannten wir bereits vom Vortag, denn Agua Azul liegt auf dem Weg. Die Straße wird danach allerdings noch miserabler und so brauchten wir für 200 Kilometer, mit angeblich 210 Topes, geschlagene sechs Stunden. Allerdings wurden all unsere Mühen durch einen grandiosen Ausblick entlohnt. Froh waren wir dennoch, als wir am späten Nachmittag ankamen. Wir mieteten uns in einer verhältnismäßig luxuriösen Unterkunft ein verbrachten den Rest des angebrochenen und den ganzen darauffolgenden Tag damit, durch die Gegend zu schlendern, zu Essen, Kaffee zu trinken und zu lesen.
Wie in allen mexikanischen Kleinstädten, zumindest jenen, die ich bislang kennengelernt habe, herrscht zu jeder Zeit, besonders aber Abends, ein reges Treiben auf den Straßen.
Man kann sich einfach in ein Cafe an der Plaza setzen und zuschauen, wie sich die alten Herren auf den Bänken unterhalten, die Händler allerlei Waren, von Luftballons bis zu kandierten Äpfeln und Zuckerwatte unter die Leute bringen, sich andere die Schuhe putzen lassen und dabei die Zeitung studieren, die Mariachis musizieren und die Kinder herumtoben, ohne dass es jemandem auffällt, geschweige denn stört. Die Kultur des Spazierengehens, des Ausgehens als Selbstzweck, lebt in Mexico und das Beste ist, dass jeder teilnehmen kann. Keiner verlangt Eintritt und es gibt auch keinen Türsteher.
Am zweiten Weihnachtstag fuhren wir zum „El Sumidero“-Canyon, einem weiteren Nationalpark. Dort angekommen mussten wir zunächst eine Weile warten, denn der zweite Weihnachtstag ist offenbar nicht nur in Deuschland der Tag des Familienausflugs. Zu guter Letzt bestiegen wir aber doch noch eines der Boote und wurden über einen Fluss, an dessen Ufern es eine Vielzahl von interessanten Vögeln, ein paar Affen und ein einsames Krokodil (…vielleicht das meistfotografierte Krokodil der Welt) zu bestaunen gab, durch eine gigantische Schlucht gefahren.
Nach diesem Abstecher ging es mit dem Bulli weiter nach Tuxtla Guiterrez, wo wir die Nacht verbrachten. Für den nächsten Tag hatten wir uns vorgenommen den Pazifik zu erreichen, was uns auch gelang. Am Abend kamen wir in Puerta Arista an und fuhren direkt weiter nach Boca del Cielo. Nachdem uns dort aber alle Unterkünfte restlos überteuert vorkamen und der Ort als solcher auch nicht eben reizvoll war, entschieden wir uns eine Nacht auf einem Campingplatz zu schlafen und am nächsten Tag die Reise nach Puerto Angel fortzusetzen, wo wir nach einer weiteren Tagesreise abends ankamen und uns in einer unbeschreiblich schäbigen Absteige einquartierten.
Puerto Angel ist ein Fischerdorf, im Bundesstaat Oaxaca, welches an sich nicht weiter spektakulär ist. Fährt man aber noch ein kleines Stückchen weiter, folgen im Abstand von jeweils einem Kilometer drei Siedlungen. Eine davon ist Mazunte. Dort gibt es einige sehr schöne Strände und eine Reihe wunderbarer und bezahlbarer Unterkünfte.
Wir quartierten uns bei einer sehr netten Hippie-Familie ein. Das Zimmer war vielmehr eine überdachte Terasse, ohne Wände und daher mit einem ungehinderten Blick aufs Meer.
In Mazunte gibt nicht viel zu tun, als eben am Strand rumzulungern, in den Strandbars eine Limonade zu schlürfen, in den Wellen zu planschen und Sandkrebse zu jagen. Ein aussichtsloses Unterfangen, denn die Biester sind verdammt schnell und clever. Dennoch vergingen die Tage dort rasend schnell und ich erinnere mich nicht, dass uns langweilig geworden wäre.
Am 31. machten wir uns dann aber trotzdem auf den Weg nach Oaxaca, wo wir ins neue Jahr zu feiern gedachten. Die Fahrt dahin war mal wieder ein Abenteuer. Vom Meer geht’s über enge Passstraßen mit tiefen Schlaglöchern auf knapp 3000 Meter Höhe. Wo man hinschaute sah man Berggipfel die durch die Wolkendecke ragten. Wir fuhren durch einige Dörfer, die nur wenige Stunden von Oaxaca entfernt liegen, und doch so abgeschieden und ursprünglich sind, dass man sie sich in eine andere Zeit zurückversetzt fühlt.
Eines davon ist San José del Pacifico, bekannt für Honig und psychoaktive Pilze. Der argentinische Anhalter, den wir dort auflasen, hatte dem Vernehmen nach von beidem reichlich genommen und bot uns von ersterem auch einige Kostproben an. Die Laune hätte nicht besser sein können.
Sorgen bereitete mir lediglich, dass die Verzögerung meiner Bremsen langsam, aber stetig abnahm. Gut, dass nicht wirklich viele Autos unterwegs waren und wir es so nach vielleicht zwei Stunden zu einer Werkstatt schafften, wo meine Bremsen kalibriert und uns noch ein Glas selbst-destillierter Tequila für die Fahrt verabreicht wurde. Am frühen Abend jedenfalls erreichten wir schließlich Oaxaca, setzten unseren argentinischen Hermano ab und suchten uns eine Unterkunft für die Nacht. Silvester verbrachten wir auf dem Zocalo mit Wunderkerzen und kandierten Äpfeln unter vielen Gleichgesinnten.
Am nächsten Tag schauten wir uns die Stadt an. Oaxaca ist die Welthauptstadt des Kakaos. Wo man geht und steht, zieht einem der Duft von frischgemahlenem Kakoa in die Nase.
Darüber hinaus ist Oaxaca bekannt für die Mole, eine stark kakaohaltige Soße, die es in verschiedensten Variationen, von scharf bis süß, gibt und für geröstete und gewürzte Heuschrecken, die in dieser Darreichungsform wie Nüsse schmecken. Die meiste Zeit verbrachten wir aber wiedermal auf dem Zocalo mit dem schlichten Beobachten des Geschehens. Tags darauf ging es nach Monte Albán, der prähispanischen Hauptstadt der Zapoteken, auf einem Hochplateau gelegen und nur zwanzig Minuten von der Stadt entfernt.
Danach machten wir uns auf den Weg nach El Tule, wo der dickste Baum der Welt steht, wenngleich er nicht der höchste ist. Vor einigen Jahren galt er noch als größtes Lebewesen überhaupt, bis irgendein komischer Pilz ihm diesbezüglich den Rang abgelaufen hat. Das Ding ist zwischen 1300 und 1400 Jahre alt und der Stamm hat einen Umfang von 46 Metern.
Der Plan für den nächsten Tag sah vor, dass wir uns auf den Weg nach Mexico machten. Da es aber in im Großraum von Mexiko-Stadt, aufgrund der hohen Abgasbelastung, eine Regelung gibt, die je nach der letzten Ziffer der Zulassung, das Fahren an bestimmten Wochentagen verbietet und ich just an diesem Samstag nicht vor zehn Uhr abends die Stadtgrenzen passieren durfte, nutzen wir die Gelegenheit um einen Zwischenstop in Puebla einzulegen, das nur etwa hundert Kilometer von Mexico entfernt liegt. Die Altstadt besteht zu hundert Prozent aus gut erhaltenen Kolonialgebäuden und jeder Menge Kirchen.
Leider hatten wir dort nur einige wenige Stunden Zeit und da Puebla nicht eben klein ist, konnten wir uns nur einen recht oberflächlichen Eindruck verschaffen. Am Abend setzen wir die Reise fort und kamen um kurz vor zehn Uhr abends an der Stadtgrenze Mexico´s an, wo wir noch ein paar Minuten warteten und um Punkt zehn in die Stadt fuhren. Gegen elf kamen wir bei meinem Opa an und gingen bald darauf zu Bett.
Kurz darauf klopfte mein Opa mit einem breiten Grinsen und verkündete, dass die Polizei vor der Tür stand, weil man meinen Bus in hohem Maße für verdächtig hielt und davon ausging, dass gerade ins Haus eingebrochen wurde. Jedenfalls musste ich mein Fluchtfahrzeug schließlich auf dem Grundstück parken, so dass es von der Straße nicht mehr zu sehen war. Dazu ist wohl zu bemerken, dass mein Opa da in einer recht gehobenen Wohngegend zuhause ist und während mein Gefährt in ganz Mexico nicht wirklich auffällt, so wirkt es dort, unter all den Oberklasselimousinen, in der Tat irgendwie deplatziert. Jedenfalls stand ich auch in den folgenden Tagen, jedes Mal, wenn ich nach Hause kam, unter strenger Beobachtung der vorbeofahrenden Polizeistreifen.
Den nächsten Morgen begannen wir mit einem zünftigen Frühstück. Den Rest des Tages verbrachten wir im anthropologischen Museum, um uns ein wenig zu bilden.
Tags darauf machten wir uns in einem knallroten Touristenbus auf eine Rundfahrt durch die Stadt. Am Zocalo, dem riesigen Platz im Zentrum der Altstadt, war bei 25° C allen Ernstes eine Eislauf- und eine Rodelbahn aufgebaut. Daneben gab es auch ein Zelt, wo sich die kleinen Mexikaner ein Förmchen, Nase und Augen, sowie den Schnee zum Schneemann-Bauen ausleihen konnten. Uns wurde dieses Vergnügen leider verwehrt, da wir beide leider schon über 1,10 Meter groß sind.
Am nächsten Tag hieß es leider Abschied nehmen. In aller Herrgottsfrühe brachte ich Lisa zum Flughafen. Zurück bei meinem Opa, schlief ich mich ersmal aus. Die nächsten Tage schaute ich mich noch in Mexiko um, besuchte Carlos, Alejandro und Julia und machte mich nach zwei, drei Tagen schließlich auf den Heimweg.
Auf dem Weg wollte ich aber noch einen Zwischenstop am Nationalpark Rosario machen, wo alljährlich Hunderttausende von Monarchfaltern aus Nordamerika überwintern. Als ich dort ankam, war es allerdings schon zu spät, um den Park zu betreten, also fuhr ich weiter nach Angangueo, um dort die Nacht zu verbringen. Irgendwo auf dem Weg muss ich aber falsch abgebogen sein, denn plötzlich befand ich mich auf der miesesten Buckelpiste meiner bisherigen Reise. Ich fuhr extrem langsam und wurde dennoch durchgeschüttelt wie auf hoher See. Dazu kam, dass sich die Bremsen, die ja eh schon nicht mehr die besten waren, bei hoher Belastung stark erhitzen und ihren Dienst dann vollends versagen. Als ich nach vielleicht einer Stunde, kurz vor Sonnenuntergang im Angangueo ankam, qualmten sie jedenfalls gewaltig.
In der erstbesten Herberge fand ich Unterkunft und ging nach einem spartanischen Mal zu Bett.
Am nächsten Tag zeigte mir ein findiger Geschäftemacher für 150 (!) Pesos den richtigen Weg und in einer halben Stunde war ich im Nationalpark. Leider war es ein nicht eben warmer Tag, was die Schmetterlinge dazu veranlasst sich in riesigen Klumpen mit tausenden Exemplaren von den Ästen hängen zu lassen und sonst nicht viel zu tun.
Obwohl diese riesigen Trauben von Monarchfaltern schon irgendwie beeindruckend sind, muss ich zugeben, dass ich schon auch gerne den einen oder anderen Schmetterling fliegen gesehen hätte. Wie dem auch sei, trat ich am Nachmittag die Heimreise mit dem festen Vorsatz an, bald wiederzukommen, und erreichte Guadalajara am Abend. Dort angekommen, musste ich zu meinem Schrecken feststellen, dass mein Notebook (das ich aus Sicherheitsgründen nicht mit auf die Reise genommen hatte) von Einbrechern geklaut worden war. Alles in allem also kein guter Tag.
Damit war diese Reise, die mich über rund 5800 Km durch 12 mexikanische Bundesstaaten führte und mir noch lange in Erinnerung bleiben wird, beendet. Eine Erkenntnis ist in jedem Fall, dass die schlechtesten Straßen oft mit den grandiosesten Aussichten aufwarten.
Ich verbrachte zwei Tage in Guadalajara, wählte meine Kurse fürs kommende Semester und brach am dritten Tag nach Lagos auf, um Juan zu besuchen. Von dort machte ich noch einen Abstecher zum Rancho, wo ich Carlos besuchte. Wir gingen Reiten und siehe da…es klappt von Mal zu Mal besser. Den Rest der Zeit verbrachte ich mit Lesen. Abends guckten wir uns mit einem Beamer alte Western-Filme mit John Wayne an und tranken dazu Wein. Sehr gediegen.
Als schließlich die Uni wieder losging ereilte mich eine sehr traurige Nachricht, die die kommenden Wochen überschattete, auf die ich an dieser Stelle, man sehe es mir nach, aber nicht weiter eingehen werde. Ich fuhr am gleichen Abend und in den folgenden Wochen noch mehrmals nach Mexiko-Stadt.
Zwischendurch schaffte ich es aber immerhin nochmal zum Strand, wo ich wie ein verdammter Hippie in meinem Bus hauste, den ich am Strand geparkt hatte. Am Sonntag fuhr ich zu einer Bucht, die dafür bekannt ist, dass alljährlich eine große Anzahl von Buckelwalen hierherzieht, um zu kalben. In einer kleinen Gruppe bestiegen wir ein Boot und kamen diesen Ungetümen so sehr nah und sahen sogar eine ganze Familie samt Jungtier.
Danach machten wir noch einen Abstecher zu einer nahegelegenen Insel, wo wir ein paar Stunden an einem wunderschönen Strand verbrachten.
Am Abend stand der Superbowl auf dem Programm, den ich mit einigen Frozen Margaritas in einer Strandbar verfolgte und dabei den Jungs aus der WG in der Römerstraße die Regeln erklärte. Ein guter Tag.
Das letzte Wochenende war schließlich das erste seit mindestens zwei Monaten, das ich in Guadalajara verbrachte. Ich grüße euch alle recht herzlich und melde mich wieder…
Achso, bevor ich´s vergesse…kann mir einer sagen, wie´s um die Hertha steht? Man kann sich hier so schlecht auf dem Laufenden halten.
War´n Spass…TABELLENFÜHRER nach 20 Spieltagen…Ole, ole….







































