20.02.2009

Halbzeit

Hallo liebe Leute,

nachdem ihr nun eine Weile wieder nichts von mir vernommen habt, versuche ich nun die Erlebnisse der vergangenen 2 Monate zusammenzufassen. Anfangen werde ich in altbewährter Manier da, wo ich beim letzten mal aufgehört habe.

Bevor ich mich also auf die lange Reise nach Cancun machen konnte, waren noch einige Reisevorbereitungen zu treffen, welche im Wesentlichen darin bestanden meinen Bus reisefit zu bekommen. Auf der Rückfahrt von Uruapan war beispielsweise unvermittelt die Fensterscheibe auf der Fahrerseite mit einem lauten Knall heruntergefallen, da wohl irgendein 40 Jahre alter Seilzug das Zeitliche gesegnet hatte. Dank meiner technischen Versiertheit konnte ich dieses Manko jedoch fachmännisch mit dem Deckel einer PET-Flasche reparieren, indem ich selbigen so im Fensterrahmen verkeilte, dass die Scheibe oben blieb. Danach musste ich mir nur noch ein Handschuhfach aus Pappe basteln, mein Lucha-Libre-Maskottchen am Innenspiegel befestigen und es konnte losgehen.

Zunächst machte ich mich auf den Weg nach Mexico-Stadt. In gemäßigten Reisetempo, also mit Vollgas, ging es ab auf die Autobahn. Leider stellte sich schnell heraus, dass meine Fensterscheibenhaltekonstruktion suboptimal war. Zum einen da ich an jeder Autobahnkasse (Die Autopistas sind in Mexico nämlich leider kostenpflichtig und auch nicht eben billig) den vermaledeiten Flaschendeckel mit der einen Hand aus dem Türrahmen friemeln musste, während ich mit der anderen nach meinem Portemaine fingerte, und zum anderen weil die Scheibe in regelmäßigen Abständen und aller Bemühungen zum Trotz mit einem lauten Knall wieder nach unten fiel. Zur Ehrenrettung meiner Mechanikerkenntnisse muss ich aber sagen, dass mein selbstgebasteltes Handschuhfach bis zum Schluss gehalten hat.

Irgendwann musste ich die Autobahn dann aber verlassen, um ein Stück Landstraße (carretera) zu fahren. Also ordnete ich mich schön rechtzeitig rechts ein, um die Abfahrt auch nicht zu verpassen und als ich ich gerade abfahren wollte, überholt mich, mit gefühlten hundert Sachen, ein Lastzug mit zwei Anhängern, zieht nach rechts, da sich die Abfahrt auf eine Spur verengt, und rammt mich schließlich volles Rohr, obwohl ich noch eine Vollbremsung hinlege.

Da sich der feine Herr Fernfahrer aber nicht im Geringsten dazu veranlasst sah anzuhalten und nach dem Rechten zu sehen, sah ich mich gezwungen die Verfolgung aufzunehmen. Nun muss ich leider sagen, dass so ein VW-Bus viele Vorzüge hat, sich aber für wilde Verfolgungsjagden nur bedingt eignet. Dennoch hatte ich den Lastzug zwei Dörfer später eingeholt. Damit endete mein Plan aber und mir fiel auf das ich keine Ahnung hatte wie ich nun weiter verfahren sollte. Wenn ich mir aber einer Sache sicher war, dann der Tatsache, dass ich keinen Streit mit einem mexikanischen Fernfahrer anfangen wollte. Besonders, nachdem ich einige Folgen von „die Ice Road Truckers“ auf RTL-Now gesehen hab. Mit den Typen ist nicht zu spaßen. Also gab ich die Verfolgung auf und hielt erstmal an um den Schaden zu inspizieren. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass nur die Stoßstange ramponiert war und der linke Außenspiegel fehlte.

Also setzte ich meine Reise fort. Es ging vorbei an zahlosen Vulkanen, endlosen Maisfeldern und durch dichte Wälder. Am Abend erreichte ich schließlich, nach zehn Stunden Fahrt, wovon ich allerdings zwei Stunden im Feierabendverkehr von Mexico-Stadt verbrachte, mein erstes Etappenziel, das Haus meines Onkels Carlos, wo ich, nach einer kleinen Stärkung, todmüde ins Bett fiel.

...auf Reisen

Am nächsten Morgen stand zunächst ein Frühstück mit Carlos, Melissa, meiner Tante Lusanna und meinem Opa Ruperto auf dem Programm. Danach verabschiedete ich mich von meiner Sippe und nahm die zweite Etappe in Angriff. Zunächst galt es sich durch den Verkehr zu kämpfen und die Autobahn Richtung Puebla zu erreichen. War ein bisschen wie im Autokorso bei der Fussball-WM, nur, dass die Mexikaner das jeden Tag machen. Ich hätte wirklich gerne mitgehupt, nur leider funktioniert meine Hupe nicht.

Verkehr

Auf der Autobahn war der Verkehr nicht weniger dicht, was vielleicht daran lag, dass inmitten der rollenden Blechlawine eine Art Fackellauf und ein Radrennen stattfanden. Die Läufer waren Gläubige, die, zu Ehren der Jungfrau von Guadalupe, aus dem ganzen Land kamen und aus jedem Ort eine Fackel nach Mexico trugen. Und ein bisschen gläubig sollte man schon sein, wenn man auf mexikanischen Autobahnen Fackelläufe veranstaltet. Was es mit dem Radrennen auf sich hatte, hab ich nicht rausfinden können. Vielleicht ein paar Katholiken, die zu faul zum Laufen waren. Vielleicht aber auch einfach ein stinknormales Radrennen.

Irgendwann entspannte sich der Verkehr. Ich passierte Puebla und fuhr weiter Richtung Atlantik. Der Weg führte zunächst über breite Straßen, dann in immer schmaleren Serpentinen durch das Hochland Mittelmexicos und während es in Mexiko-Stadt noch angenehm warm war, wurde es nun schnell kälter und sehr neblig. Eine Seite Mexikos, die ich bis dahin noch nicht kennengelernt hatte. Es war tatsächlich Schweinekalt.

Kalt!!!

Nach etwa 10 Stunden Fahrt, die Dank einiger Anhalter, die ich mitnahm, recht schnell vergingen, erreichte ich endlich den Atlantik. Die Nacht verbrachte ich in Coatzacoalcos. Genauer gesagt auf einem Tankstellenparkplatz, eingewickelt in eine Decke, die seit einem kleinen Malheur mit einem undichten Kanister, stark nach Benzin roch.

Am nächsten Tag gings an der Atlantikküste entlang bis nach Merida.
An dieser Stelle mal ein paar allgemeine Bemerkungen zum Thema Verkehr in Mexico. Zunächst muss ich sagen, dass es hier gesitteter zugeht, als der eine oder andere vielleicht denken mag. Es gibt natürlich Ausnahmen, wie ich selbst erfahren musste. Die Qualität der Straßen lässt sich pauschal kaum beurteilen. Meist sind sie in einem schlechten, aber befahrbaren Zustand, will sagen, dass man gelegentlich ein bisschen durchgeschüttelt wird, weil Schlaglöcher recht notdürftig ausgebessert sind, mehr aber auch nicht. Ausnahmen gibt es jedoch auch hier. Immer wieder landet man relativ unvermittelt auf Straßen, die wirken als gelte dort allgemeine Schneekettenpflicht. Knietiefe Schlaglöcher wohin das Auge schaut. An anderen Orten ist die Straße urplötzlich nicht mehr asphaltiert. Ein großer Spaß.

Ein weiteres Ärgernis sind die unzähligen Topes, Bodenwellen, die den Fahrer zur Mäßigung des Tempos anhalten sollen. Topes tauchen in allen Größen und Formen überall auf. Wenn man Glück hat sind sie markiert, verlassen sollte man sich darauf nicht, denn falls man einen von den unmarkierten Topes übersieht, dann kann man sich glücklich schätzen, wenn sich nur sämtliche Stoßdämpfer und die Ölwanne verabschieden.

In Merida angekommen, mietete ich mir zur Feier des Tages ein Zimmer mit Dusche und unternahm einen abendlichen Spaziergang durch die weihnachtlich geschmückte Stadt. Bei den tropischen Temperaturen, wollte allerdings keine rechte Weihnachtsstimmung aufkommen.

Merida bei Nacht

Am nächsten Tag setzte ich die Erkundung der Stadt fort. Eilig hatte ich es schließlich nicht mehr. Lisa musste ich erst am Abend des nächsten Tags abholen. Erst am späten Nachmittag machte ich mich auf den Weg, die verbleibenden 300 Kilometer nach Cancun zu absolvieren.

Doch als ich am Abend dort ankam, fing just als ich das Ortsschild passierte der Motor an zu stottern und ich schaffte es gerade noch zu einer Werkstatt, bis garnichts mehr ging. Da ich aber sicher angekommen war und es auf den 2200 Kilometern, die ich bis dahin bewältigt hatte sicher ungünstigere Stellen gegeben hat, um liegenzubleiben, ließ ich meinen fahrbaren Untersatz zur Reperatur in besagter Werkstatt und nahm mir gutgelaunt ein Taxi zu meiner Unterkunft.

Am nächsten Abend fuhr ich zum Flughafen, wo, pünktlich, aber ohne Gepäck (das lag derweil noch in Atlanta rum und wurde erst zwei Tage später geliefert), Lisa zur Abholung bereitstand.

Da mein Automobil aufgrund fehlender Ersatzteile noch nicht einsatzbereit war, fuhren wir mit einem Linienbus nach Tulum, das vielleicht 120 km südlich von Cancun liegt. Dort mieteten wir uns in einer schlichten Strand-Cabaña ein.

Blick aus der Cabaña

Natürlich wollte ich direkt ins Meer, also schnell die Badehose angezogen, die Schnorchelausrüstung zusammengerafft und schon konnte man mich mich mit großen Schritten ungestüm über den Strand Richtung Meer heizen sehen. Etwas zu ungestüm, denn ich hatte kaum das Wasser berührt, da war mein Schnorchel von einer Welle erfasst und fortgespült worden, mein geliebter Schnorchel, der mir stets treue Dienste leistete, den ich aus Deutschland mitgebracht hatte und der an diesem denkwürdigen Tag erstmalig in Mexiko zum Einsatz kommen sollte. Aber das Meer ist halt unerbittlich (…das weiß ich aus diversen Filmen wie Open Water, Der Sturm oder Findet Nemo) und auch noch langer Suche tauchte mein gelber Lieblingsschnorchel nicht wieder auf.

Strand am Abend

Trotzdem verbrachten wir eine sehr schöne Zeit in Tulum. Wir schauten uns die dortigen Maya-Ruinen an, die, insbesondere durch ihre Lage am Meer, absolut spektakulär sind. Die meiste Zeit lungerten wir jedoch am Strand rum.

Nach drei Tagen holten wir schließlich meinen Bus in Cancun ab und fuhren weiter nach Chitzen Itza, wo wir am Abend ankamen und einen kleinen Trailerpark aufsuchten. Chitzen Itza ist die bekannteste der Maya-Anlagen in Yucatan, vorallem wegen el Castillo, der zentralen Pyramide der Anlage.

Chitzen Itza

Am nächsten Morgen fuhren wir jedoch zunächst zum Baden zu einer Cenote, das ist so ´ne Art unterirdischer See. Danach besichtigten wir die Ruinen und nachmittags gings weiter nach Merida, dass ich ja auf dem Hinweg schon gesehen hatte. Dort verbrachten wir auch diesmal nur eine Nacht und fuhren gleich am nächsten Tag weiter nach Uxmal, einer weiteren Pyramidenanlage, mitten im Dschungel und mindestens genauso spektakulär wie Chitzen Itza.

Uxmal

Am Abend ging’s schließlich nach Campeche, einer Hafenstadt am Atlantik, die mit einer sehr einheitlichen und wunderschön restaurierten Altstadt glänzt. Da wir nun schon ein paar Kilometer gereist waren, schon länger nicht an einem Ort mehr als eine Nacht verweilt hatten und zudem zwei Tage prähispanischer Kultur hinter uns hatten, entschieden wir uns hier einen ganzen, gemütlichem Tag Pause zu machen.

Campeche

Unsere nächste Station hieß Palenque. Dort kamen wir nach einem langen Tag im Auto an und fanden Unterkunft bei einem Landwirt, der nebenbei ein paar Zimmer vermietete.Vielleicht war es aber auch ein Hotelier, der nebenbei ein paar Kühe hielt. Jedenfalls durften wir für 5,50 € pro Nacht bei ihm übernachten.

Schon früh am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zu den Wasserfällen von Agua Azul. Die liegen zwar nur etwa 50 Kilometer entfernt von Palenque, die Straße dorthin führt aber mitten durch Zapatistengebiet (Die Zapatistas sind eine indigene Guerillatruppe) und besteht zudem praktisch nur aus Kurven. Wenn es mal ein Stück geradeaus geht, dann ist die Fahrbahn mit Topes gespickt oder man wird von einer Horde Kindern und alten Damen mit einer quer über die Fahrbahn gespannten Leine zum Anhalten gezwungen, damit diese ihre Kokosnüsse, Orangen oder was auch immer zum Kauf anbieten können. Unser Ziel erreichten wir nach zwei Stunden schließlich trotzdem.
Als wir schon beinahe da waren, wurden wir ein weiteres Mal mal angehalten, diesmal von ein paar Zapatisten, die sich als Parkwächter ausgaben und uns jeweils 50 Pesos (etwa 2,70 €) Eintritt in den Nationalpark Agua Azul berechnen wollten. Als ich aber gerade mein Portemoine zückte, witterte einer der jungen Männer seine Chance und wollte mir irgendeine Strafgebühr berechnen, weil ich irgendeine Haltelinie überfahren haben sollte. Ich hingegen witterte Betrug, fuhr ohne zu Bezahlen weiter und wir hinterließen eine Meute enttäuscht fluchender Kleinganoven.

Die Wasserfälle von Agua Azul sind ein beeindruckendes Schauspiel. Es handelt sich um über 500 Kaskaden, die in mehreren Stufen hinabfallen. Das Wasser sammelt sich dabei in Becken aus Kalk, und in einigen kann man auch baden.

Agua Azul

Zurück in Palenque (den Zapatisten konnten wir auf dem Rückweg entkommen) stand noch am selben Nachmittag eine Besichtigung der Maya-Ruinen an. Diese zeichnen sich durch eine sehr besondere Atmosphäre aus, da sie mitten im Urwald liegen und die dort beheimatete Fauna für eine angemessene Geräuschkulisse sorgt. Besonders die Brüllaffen, die uns auch Nachts den Schlaf raubten, machten ihrem Namen Ehre.

Runinen von Palenque

Runinen von Palenque

Am nächsten Tag, Heiligabend, hieß das Etappenziel San Cristobal de las Casas. Zunächst ging es aber nach Misol-Ha, einem weiteren Wasserfall, der weiter flussabwärts und nur 15 Minuten von Palenque entfernt liegt.

Ein Teil der Strecke nach San Cristobal kannten wir bereits vom Vortag, denn Agua Azul liegt auf dem Weg. Die Straße wird danach allerdings noch miserabler und so brauchten wir für 200 Kilometer, mit angeblich 210 Topes, geschlagene sechs Stunden. Allerdings wurden all unsere Mühen durch einen grandiosen Ausblick entlohnt. Froh waren wir dennoch, als wir am späten Nachmittag ankamen. Wir mieteten uns in einer verhältnismäßig luxuriösen Unterkunft ein verbrachten den Rest des angebrochenen und den ganzen darauffolgenden Tag damit, durch die Gegend zu schlendern, zu Essen, Kaffee zu trinken und zu lesen.

San Cristobal de las Casas

Wie in allen mexikanischen Kleinstädten, zumindest jenen, die ich bislang kennengelernt habe, herrscht zu jeder Zeit, besonders aber Abends, ein reges Treiben auf den Straßen.
Man kann sich einfach in ein Cafe an der Plaza setzen und zuschauen, wie sich die alten Herren auf den Bänken unterhalten, die Händler allerlei Waren, von Luftballons bis zu kandierten Äpfeln und Zuckerwatte unter die Leute bringen, sich andere die Schuhe putzen lassen und dabei die Zeitung studieren, die Mariachis musizieren und die Kinder herumtoben, ohne dass es jemandem auffällt, geschweige denn stört. Die Kultur des Spazierengehens, des Ausgehens als Selbstzweck, lebt in Mexico und das Beste ist, dass jeder teilnehmen kann. Keiner verlangt Eintritt und es gibt auch keinen Türsteher.

Am zweiten Weihnachtstag fuhren wir zum „El Sumidero“-Canyon, einem weiteren Nationalpark. Dort angekommen mussten wir zunächst eine Weile warten, denn der zweite Weihnachtstag ist offenbar nicht nur in Deuschland der Tag des Familienausflugs. Zu guter Letzt bestiegen wir aber doch noch eines der Boote und wurden über einen Fluss, an dessen Ufern es eine Vielzahl von interessanten Vögeln, ein paar Affen und ein einsames Krokodil (…vielleicht das meistfotografierte Krokodil der Welt) zu bestaunen gab, durch eine gigantische Schlucht gefahren.

El Sumidero

Nach diesem Abstecher ging es mit dem Bulli weiter nach Tuxtla Guiterrez, wo wir die Nacht verbrachten. Für den nächsten Tag hatten wir uns vorgenommen den Pazifik zu erreichen, was uns auch gelang. Am Abend kamen wir in Puerta Arista an und fuhren direkt weiter nach Boca del Cielo. Nachdem uns dort aber alle Unterkünfte restlos überteuert vorkamen und der Ort als solcher auch nicht eben reizvoll war, entschieden wir uns eine Nacht auf einem Campingplatz zu schlafen und am nächsten Tag die Reise nach Puerto Angel fortzusetzen, wo wir nach einer weiteren Tagesreise abends ankamen und uns in einer unbeschreiblich schäbigen Absteige einquartierten.

Puerto Angel ist ein Fischerdorf, im Bundesstaat Oaxaca, welches an sich nicht weiter spektakulär ist. Fährt man aber noch ein kleines Stückchen weiter, folgen im Abstand von jeweils einem Kilometer drei Siedlungen. Eine davon ist Mazunte. Dort gibt es einige sehr schöne Strände und eine Reihe wunderbarer und bezahlbarer Unterkünfte.

Strand!!!

Wir quartierten uns bei einer sehr netten Hippie-Familie ein. Das Zimmer war vielmehr eine überdachte Terasse, ohne Wände und daher mit einem ungehinderten Blick aufs Meer.

Sonnenuntergang

In Mazunte gibt nicht viel zu tun, als eben am Strand rumzulungern, in den Strandbars eine Limonade zu schlürfen, in den Wellen zu planschen und Sandkrebse zu jagen. Ein aussichtsloses Unterfangen, denn die Biester sind verdammt schnell und clever. Dennoch vergingen die Tage dort rasend schnell und ich erinnere mich nicht, dass uns langweilig geworden wäre.

Strand!!!

Am 31. machten wir uns dann aber trotzdem auf den Weg nach Oaxaca, wo wir ins neue Jahr zu feiern gedachten. Die Fahrt dahin war mal wieder ein Abenteuer. Vom Meer geht’s über enge Passstraßen mit tiefen Schlaglöchern auf knapp 3000 Meter Höhe. Wo man hinschaute sah man Berggipfel die durch die Wolkendecke ragten. Wir fuhren durch einige Dörfer, die nur wenige Stunden von Oaxaca entfernt liegen, und doch so abgeschieden und ursprünglich sind, dass man sie sich in eine andere Zeit zurückversetzt fühlt.
Eines davon ist San José del Pacifico, bekannt für Honig und psychoaktive Pilze. Der argentinische Anhalter, den wir dort auflasen, hatte dem Vernehmen nach von beidem reichlich genommen und bot uns von ersterem auch einige Kostproben an. Die Laune hätte nicht besser sein können.

Sorgen bereitete mir lediglich, dass die Verzögerung meiner Bremsen langsam, aber stetig abnahm. Gut, dass nicht wirklich viele Autos unterwegs waren und wir es so nach vielleicht zwei Stunden zu einer Werkstatt schafften, wo meine Bremsen kalibriert und uns noch ein Glas selbst-destillierter Tequila für die Fahrt verabreicht wurde. Am frühen Abend jedenfalls erreichten wir schließlich Oaxaca, setzten unseren argentinischen Hermano ab und suchten uns eine Unterkunft für die Nacht. Silvester verbrachten wir auf dem Zocalo mit Wunderkerzen und kandierten Äpfeln unter vielen Gleichgesinnten.

2009

Am nächsten Tag schauten wir uns die Stadt an. Oaxaca ist die Welthauptstadt des Kakaos. Wo man geht und steht, zieht einem der Duft von frischgemahlenem Kakoa in die Nase.

Kakao!!!

Darüber hinaus ist Oaxaca bekannt für die Mole, eine stark kakaohaltige Soße, die es in verschiedensten Variationen, von scharf bis süß, gibt und für geröstete und gewürzte Heuschrecken, die in dieser Darreichungsform wie Nüsse schmecken. Die meiste Zeit verbrachten wir aber wiedermal auf dem Zocalo mit dem schlichten Beobachten des Geschehens. Tags darauf ging es nach Monte Albán, der prähispanischen Hauptstadt der Zapoteken, auf einem Hochplateau gelegen und nur zwanzig Minuten von der Stadt entfernt.

Danach machten wir uns auf den Weg nach El Tule, wo der dickste Baum der Welt steht, wenngleich er nicht der höchste ist. Vor einigen Jahren galt er noch als größtes Lebewesen überhaupt, bis irgendein komischer Pilz ihm diesbezüglich den Rang abgelaufen hat. Das Ding ist zwischen 1300 und 1400 Jahre alt und der Stamm hat einen Umfang von 46 Metern.

Baum

Der Plan für den nächsten Tag sah vor, dass wir uns auf den Weg nach Mexico machten. Da es aber in im Großraum von Mexiko-Stadt, aufgrund der hohen Abgasbelastung, eine Regelung gibt, die je nach der letzten Ziffer der Zulassung, das Fahren an bestimmten Wochentagen verbietet und ich just an diesem Samstag nicht vor zehn Uhr abends die Stadtgrenzen passieren durfte, nutzen wir die Gelegenheit um einen Zwischenstop in Puebla einzulegen, das nur etwa hundert Kilometer von Mexico entfernt liegt. Die Altstadt besteht zu hundert Prozent aus gut erhaltenen Kolonialgebäuden und jeder Menge Kirchen.

Puebla

Leider hatten wir dort nur einige wenige Stunden Zeit und da Puebla nicht eben klein ist, konnten wir uns nur einen recht oberflächlichen Eindruck verschaffen. Am Abend setzen wir die Reise fort und kamen um kurz vor zehn Uhr abends an der Stadtgrenze Mexico´s an, wo wir noch ein paar Minuten warteten und um Punkt zehn in die Stadt fuhren. Gegen elf kamen wir bei meinem Opa an und gingen bald darauf zu Bett.
Kurz darauf klopfte mein Opa mit einem breiten Grinsen und verkündete, dass die Polizei vor der Tür stand, weil man meinen Bus in hohem Maße für verdächtig hielt und davon ausging, dass gerade ins Haus eingebrochen wurde. Jedenfalls musste ich mein Fluchtfahrzeug schließlich auf dem Grundstück parken, so dass es von der Straße nicht mehr zu sehen war. Dazu ist wohl zu bemerken, dass mein Opa da in einer recht gehobenen Wohngegend zuhause ist und während mein Gefährt in ganz Mexico nicht wirklich auffällt, so wirkt es dort, unter all den Oberklasselimousinen, in der Tat irgendwie deplatziert. Jedenfalls stand ich auch in den folgenden Tagen, jedes Mal, wenn ich nach Hause kam, unter strenger Beobachtung der vorbeofahrenden Polizeistreifen.

Den nächsten Morgen begannen wir mit einem zünftigen Frühstück. Den Rest des Tages verbrachten wir im anthropologischen Museum, um uns ein wenig zu bilden.
Tags darauf machten wir uns in einem knallroten Touristenbus auf eine Rundfahrt durch die Stadt. Am Zocalo, dem riesigen Platz im Zentrum der Altstadt, war bei 25° C allen Ernstes eine Eislauf- und eine Rodelbahn aufgebaut. Daneben gab es auch ein Zelt, wo sich die kleinen Mexikaner ein Förmchen, Nase und Augen, sowie den Schnee zum Schneemann-Bauen ausleihen konnten. Uns wurde dieses Vergnügen leider verwehrt, da wir beide leider schon über 1,10 Meter groß sind.

Rodelbahn am Zocalo

Am nächsten Tag hieß es leider Abschied nehmen. In aller Herrgottsfrühe brachte ich Lisa zum Flughafen. Zurück bei meinem Opa, schlief ich mich ersmal aus. Die nächsten Tage schaute ich mich noch in Mexiko um, besuchte Carlos, Alejandro und Julia und machte mich nach zwei, drei Tagen schließlich auf den Heimweg.

Auf dem Weg wollte ich aber noch einen Zwischenstop am Nationalpark Rosario machen, wo alljährlich Hunderttausende von Monarchfaltern aus Nordamerika überwintern. Als ich dort ankam, war es allerdings schon zu spät, um den Park zu betreten, also fuhr ich weiter nach Angangueo, um dort die Nacht zu verbringen. Irgendwo auf dem Weg muss ich aber falsch abgebogen sein, denn plötzlich befand ich mich auf der miesesten Buckelpiste meiner bisherigen Reise. Ich fuhr extrem langsam und wurde dennoch durchgeschüttelt wie auf hoher See. Dazu kam, dass sich die Bremsen, die ja eh schon nicht mehr die besten waren, bei hoher Belastung stark erhitzen und ihren Dienst dann vollends versagen. Als ich nach vielleicht einer Stunde, kurz vor Sonnenuntergang im Angangueo ankam, qualmten sie jedenfalls gewaltig.

kurz vor Angangueo

In der erstbesten Herberge fand ich Unterkunft und ging nach einem spartanischen Mal zu Bett.
Am nächsten Tag zeigte mir ein findiger Geschäftemacher für 150 (!) Pesos den richtigen Weg und in einer halben Stunde war ich im Nationalpark. Leider war es ein nicht eben warmer Tag, was die Schmetterlinge dazu veranlasst sich in riesigen Klumpen mit tausenden Exemplaren von den Ästen hängen zu lassen und sonst nicht viel zu tun.

Schmetterlinge im Nationalpark

Obwohl diese riesigen Trauben von Monarchfaltern schon irgendwie beeindruckend sind, muss ich zugeben, dass ich schon auch gerne den einen oder anderen Schmetterling fliegen gesehen hätte. Wie dem auch sei, trat ich am Nachmittag die Heimreise mit dem festen Vorsatz an, bald wiederzukommen, und erreichte Guadalajara am Abend. Dort angekommen, musste ich zu meinem Schrecken feststellen, dass mein Notebook (das ich aus Sicherheitsgründen nicht mit auf die Reise genommen hatte) von Einbrechern geklaut worden war. Alles in allem also kein guter Tag.

Damit war diese Reise, die mich über rund 5800 Km durch 12 mexikanische Bundesstaaten führte und mir noch lange in Erinnerung bleiben wird, beendet. Eine Erkenntnis ist in jedem Fall, dass die schlechtesten Straßen oft mit den grandiosesten Aussichten aufwarten.

...auf Reisen

Ich verbrachte zwei Tage in Guadalajara, wählte meine Kurse fürs kommende Semester und brach am dritten Tag nach Lagos auf, um Juan zu besuchen. Von dort machte ich noch einen Abstecher zum Rancho, wo ich Carlos besuchte. Wir gingen Reiten und siehe da…es klappt von Mal zu Mal besser. Den Rest der Zeit verbrachte ich mit Lesen. Abends guckten wir uns mit einem Beamer alte Western-Filme mit John Wayne an und tranken dazu Wein. Sehr gediegen.

Veredas

Als schließlich die Uni wieder losging ereilte mich eine sehr traurige Nachricht, die die kommenden Wochen überschattete, auf die ich an dieser Stelle, man sehe es mir nach, aber nicht weiter eingehen werde. Ich fuhr am gleichen Abend und in den folgenden Wochen noch mehrmals nach Mexiko-Stadt.

Zwischendurch schaffte ich es aber immerhin nochmal zum Strand, wo ich wie ein verdammter Hippie in meinem Bus hauste, den ich am Strand geparkt hatte. Am Sonntag fuhr ich zu einer Bucht, die dafür bekannt ist, dass alljährlich eine große Anzahl von Buckelwalen hierherzieht, um zu kalben. In einer kleinen Gruppe bestiegen wir ein Boot und kamen diesen Ungetümen so sehr nah und sahen sogar eine ganze Familie samt Jungtier.

Wale

Danach machten wir noch einen Abstecher zu einer nahegelegenen Insel, wo wir ein paar Stunden an einem wunderschönen Strand verbrachten.

Strand

Am Abend stand der Superbowl auf dem Programm, den ich mit einigen Frozen Margaritas in einer Strandbar verfolgte und dabei den Jungs aus der WG in der Römerstraße die Regeln erklärte. Ein guter Tag.
Das letzte Wochenende war schließlich das erste seit mindestens zwei Monaten, das ich in Guadalajara verbrachte. Ich grüße euch alle recht herzlich und melde mich wieder…

Achso, bevor ich´s vergesse…kann mir einer sagen, wie´s um die Hertha steht? Man kann sich hier so schlecht auf dem Laufenden halten.

War´n Spass…TABELLENFÜHRER nach 20 Spieltagen…Ole, ole….

Hallo liebe Leute,
ich fürchte ich bin meinem Versprechen nicht gerecht geworden, mich etwas öfter zu melden. Bin nun immerhin schon über 4 Monate hier.

Jedenfalls ist auch wieder so einiges passiert: In der Woche nach Tlaca’s Geburtstagsparty bin ich endlich mal mit Emmanuel, einem Bekannten aus einem Kurs, zum Lucha Libre gegangen. Der Lucha Libre ist die mexikanische Variante vom Wrestling in den USA. Im Prinzip ist’s das Gleiche und doch ist es völlig anders. Einer der Hauptunterschiede ist wohl, dass es den Zuschauern völlig wurscht ist, wer das Spektakel gewinnt. Der Spaß besteht viel mehr darin, dass man die Akteure, und zwar allesamt, nach Herzenslust beschimpfen kann, ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen. Und da ich ja im Herzen ein Prolet bin und die höfliche und zuvorkommende Art, die ihr von mir kennt, nur aufgesetzt ist, habe ich mich schnell von Emmanuel anstiften lassen aufzustehen und ein paar sehr hässliche Dinge zu brüllen, über deren Bedeutung er mich aber erst aufgeklärt hat, nachdem ich mich wieder hingesetzt hatte.

Lucha Libre

Ein ungeahntes Problem stellte das Bierholen dar. Denn wenn zwei Männer aufstehen und die Halle gemeinsam verlassen, gibt es keinen Mexikaner der es nicht unglaublich geistreich findet die beiden als Pareja zu titulieren und ihnen hinterherzupfeifen. Das hat mir auch noch Spaß gemacht, bis mir dieser schwere Gang selber bevorstand. Da es ja eh unvermeidlich war, haben wir an die Händchen genommen und sind, unter dem Gejohle der Zuschauer, zum Bierstand stolziert.
Nach anderthalb Stunden war das Schauspiel zu Ende und wir verließen die Arena. Am Ausgang stand dann ein Typ, der uns zur Teilnahme an einem lustigen Spiel einlud. Jeder der Teilnehmer bekommt einen metallenen Zylinder in die Hand, der mit einer Autobatterie verbunden ist. Man nimmt sich an den Händen und der Typ dreht an seinem Regler. Am Anfang spürt man nur ein Kribbeln, das dann aber immer heftiger wird und schließlich wirklich sehr hässlich schmerzt. Obwohl ich in solchen Dingen ja durchaus Ehrgeiz entwickeln kann, hab ich am Ende den Kürzeren gezogen und musste die nächste Runde Bier zahlen.

Am folgenden Wochenende habe ich mich endlich mal nach Mexico D.F. aufgemacht. Dort lebt der größte Teil meiner mexikanischen Sippe. Donnerstag Abend gegen Mitternacht stieg ich dort aus dem Bus und wurde von meinem Opa Ruperto und meinem Onkel Alejandro herzlich empfangen.
Das folgende Wochenende bestand im Wesentlich aus Familienessen. Am Freitag fuhren wir in das Krankenhaus, dessen Direktor Ruperto ist. Danach fuhren wir in ein Fischrestaurant, wo ich mir den Bauch gehörig vollschlug. Danach war ich mit meiner Tante Lusanna, meinem Onkel Carlos und noch einigen anderen verabredet. Wir zogen durch einige Kneipen und ich wurde in die Kunst des Dominospielens eingeführt. Zu guter letzt gingen wir in eine Disco. Irgendwann wollte ich mich auf dem Weg zu Carlos machen (der einfach sehr viel zentraler als mein Opa Ruperto wohnt) und ließ mir ein Taxi rufen.

Am nächsten Morgen wachte ich schon recht zeitig auf und verließ das Haus um mich auf die Suche nach einem Gastgeschenk für meine Schwester Julia zu machen, zu der Juan und ich am Nachmittag eingeladen waren. Als ich nach einer Stunde mit einer großen Sachertorte unter Arm zurück zum Haus von Carlos schlenderte, hielt der schon Ausschau nach mir, während er mit meiner besorgten Tante telefonierte. In der Stunde in der ich weg war hatten vier Verwandte angerufen, um sich zu erkundigen, ob ich sicher nach Hause gekommen war, was Carlos nicht beantworten konnte, da ich mein Bett schon gemacht hatte und mein Besuch daher keinerlei Spuren hinterlassen hatte. Es hatten sich also einige Leute Sorgen gemacht, dass ich möglicherweise in die Fänge von Organschiebern oder Dogenhändlern geraten sein könnte und ich musste mich für meinen morgendlichen Ausflug erstmal rechtfertigen. Mexico ist halt nicht Berlin.

Kurz darauf holte mich Juan ab und wir fuhren zu Julia. Dort gab es schon wieder ein leckeres Essen und ich war erneut mit dem altbekannten Problem konfrontiert, dass kleine Kinder mich zwar irgendwie lustig finden, mich aber auch für leicht bescheuert halten. Sei’s drum…ich habe mich trotzdem gut, weil weitestgehend non-verbal, mit meinen beiden Nichten verstanden. Am Abend konnten wir drei dann auch meine Schwester und meine Tante dazu überreden noch auf einen Jahrmarkt zu gehen, der nur einige hundert Meter entfernt stattfand. Voller Vorfreude bestieg ich mit den beiden Mädchen eine dieser Höllenmaschinen und hatte kaum Zeit dem Sicherheitssystem einen skeptischen Blick zu schenken, als es auch schon losging. Es handelte sich um ein, in Fachkreisen als Schiffsschaukel bezeichnetes Fahrgeschäft, das in dieser Form in Deutschland wahrscheinlich Anfang der Siebziger ausrangiert wurde und von da an hier seinen Dienst verrichtete. Als wir also von dieser Maschine in höhere Sphären geschleudert wurden, bemerkte ich, das meine Nichten nicht im Geringsten von diesem so genannten Sicherheitsbügel gehalten wurden, sondern lediglich von mir, wurde mir schon ein bisschen flau im Magen. Als sich der Typ der da die Hebel bediente auch noch mal eben in Richtung Klo entfernte, war mein Vergnügen mit einem Mal getrüt. Dem Spaß meiner Nichten tat das ganze keinen Abbruch. Die riefen so Sachen wie: „Juhuu!!!“ und „ich fliege“, während ich so Sachen dachte wie: „ Scheiße, ja…“, denn die beiden hoben tatsächlich von ihren Sitzen ab. Nach gefühlten 15 Minuten und einem verrichteten Geschäft kam dann auch der feine Herr Schausteller zurück zur Arbeit und entließ mich leichenblass zurück ins Leben. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber es lebe der TÜV!!!

Da wir noch am gleichen Abend einen kleinen Besuch bei Lusanna einlegten, und ich erst spät zu meinem Opa kam, bei dem ich mich für diese Nacht erneut einquartiert hatte, war dieser ein bisschen angesäuert und daher sagte ich meiner Tante Bescheid, dass ich nicht mit nach Teotihuacan kommen würde, obwohl ich mich darauf eigentlich sehr gefreut hatte, denn dort stehen die wohl spektakulärsten Toltekenpyramiden Mexikos. Stattdessen verbrachte ich einen gemütlichen Tag mit Ruperto. Wir fuhren morgens zum Frühstücken in ein Restaurant und fuhren von dort ziemlich direkt in ein anderes Restaurant zum Mittag- bzw. Abendessen. Ich hab selten so lecker gegessen. Am Abend habe ich mit Alejandro noch eine kleine Runde gedreht. Am nächsten Tag machte ich mich nach zwei weiteren Restaurantbesuchen auf den Heimweg.

Zurück in Guadalajara machte ich mich daran ein lange vorbereitetes Geschäft zu vollziehen. Schon zwei oder drei Wochen zuvor hatte ich, auf der Rückfahrt von meiner Uni, vom Bus aus einen grün-weißen VW-Bus, Modell 1970, gesehen, der zum Verkauf stand und mir auf Anhieb gefiel. Also stieg ich aus und eröffnete die Verhandlungen. In den folgenden Wochen stieg ich jeden zweiten Nachmittag an gleicher Stelle aus und fragte, ob der Wagen schon verkauft war und ob der gute Mann, ein Kioskbesitzer, nicht doch noch ein bisschen mit dem Preis runtergehen wollte. Irgendwann hatte ich den Kaufpreis um ein Drittel gedrückt. Zeit für eine Probefahrt. Da ich vom Autokauf ungefähr soviel verstehe, wie die Stuttgarter vom Fussballspielen, habe ich Tlacaelel gebeten mich zu begleiten. Natürlich hab ich mir während der Probefahrt meine mangelnden Kenntnisse nicht anmerken lassen und so schlaue Sachen gesagt, wie „Jo, zieht gut die Kiste, nur die Kupplung schleift ein Bisschen!!!“. In einer Werkstatt haben wir noch eine Inspektion machen lassen, die den einen oder anderen Mangel zutage gefördert hat. Dummerweise hatte ich mich zu diesem Zeitpunkt schon entschieden, die Karre zu kaufen. Also ab zur Zulassungsstelle und eine Stunde später war ich stolzer Besitzer eines 1970er VW-Bus.

Mein Bus

Schon am darauffolgenden Wochenende sollte mein Bus zum ersten Mal auf die Probe gestellt werden. Meine Mutter und ihr Freund Detlef kamen zu Besuch nach Guadalajara und ich holte die beiden am Samstagabend vom Flughafen ab und brachte sie zum Hotel. Da diese Nacht in Mexiko eine ganz besondere ist, nämlich die Nacht zum Día de los Muertos, war in der Stadt die Hölle los und auch ich schaute noch kurz bei einer Fiesta vorbei.

Am nächsten Morgen holte ich, leicht verkatert, meine Mutter vom Hotel ab und wir machten uns auf den Weg nach Patzcuaro, eine Stadt die für eben diese Festtage landesweit berühmt ist. Ich wusste zwar um die kleinen Reparaturen, die nötig waren, aber war mir sehr sicher, dass so ein kleiner Road-Trip schon drin ist. Gut gelaunt ging‘s also auf die Autobahn und ich sag euch…die Karre lief wie ´ne Eins und wir verstanden uns, mein Bulli und ich. Zugegeben, schnell waren wir nicht und Bergab musste ich ordentlich Gas geben, um die darauffolgende Steigung zu meistern, aber da wir keinerlei Eile hatten, minderte das unsere Laune nicht. Als wir nach vielleicht zwei Stunden aber an einer Autobahnkasse halten mussten, machte der Motor plötzlich Mucken, verabschiedete sich mit einem unzufriedenen Blubbern und ließ sich weder durch gutes Zureden, noch durch Lamentieren und Fluchen zum erneuten anspringen bewegen. Wie schon erwähnt hab ich keine Ahnung von Motoren und doch öffnete ich zunächst mal die Motorhaube und stellte fest, das der Motor noch da war und wie immer aussah. Einziger Unterschied: Ein fetter Ölfleck auf der Autobahn. Während ich aber fachmännisch den Motor begutachtete, traf ein zum Glück ein Polizist ein, der mir zu Verstehen gab, dass er mein grün-weißes Verkehrshindernis nun mit dem stahlbewährten Konstrukt an seiner Stoßstange schieben würde, was er dann auch umgehend in Angriff nahm und dabei auch nicht eben zimperlich vorging. Als ich ihn dann fragte, wie‘s jetzt weitergehe, wies er mich auf die Werkstatt hin, die auf der anderen Straßenseite, keine fünfzig Meter entfernt war. Der Mechaniker war schnell verständigt und während er und ich den Wagen schoben, flirtete der Polizist mit meiner Mutter.

Eine halbe Stunde später war der Wagen notdürftig geflickt und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen. Blieb nur die Frage in welche Richtung, denn der Herr Wachtmeister hatte meiner Mutter gesteckt, dass die Feier zum Día de los Muertos bereits in der vorangegangenen Nacht stattgefunden hatte, wir also Alles verpasst hatten. Aber da wir ja nun schon soweit gekommen waren, ließen wir uns nicht umstimmen und setzten die Reise fort. Und hey…die Karre lief super, ich gab Stoff, der Schlitten zog und Pátzcuaro war nicht mehr weit. Schließlich verließen wir die Autobahn und fuhren ein Stück über die Landstraße, die uns eine recht steile Steigung hinaufführte, die ich mit ein bisschen Anlauf recht flott anging. Jedoch war‘s schnell vorbei mit der schnellen Gangart, denn obwohl ich im ersten Gang war und der Motor heulte, wie ein Formel-1-Auto, ging‘s nicht nur nicht vorwärts, sondern langsam aber sicher rückwärts. Kupplung war im Arsch. Da die Handbremse ebensowenig funktionierte, ließ ich den Wagen langsam rückwärts rollen, bis die Straße wieder eben war und ich den Wagen im Vorgarten einer Familie parken konnte, die gerade ein Grillfest veranstaltete. Statt sich aber lautstark aufzuregen, kam der Hausherr keineswegs verärgert herbei und bat uns seine Hilfe an. Zunächst legte er sich unter Auto und versuchte irgendwelche Mechaniker-Tricks, die scheinbar jeder Mexikaner beherrscht. Als das aber keinen Erfolg brachte, fuhr er uns zum Haus eines Mechanikers, der zwar nicht da war, dessen Vater uns aber versprach die Sache in die Hand zu nehmen. Ich übergab ihm den Schlüssel und wir trampten nach Pátzcuaro, wo wir schließlich gegen Abend ankamen.

Nach einem Spaziergang und einem Abendessen fielen wir reichlich erschöpft in unsere Hotelbetten. Immerhin hatten wir noch ein wenig von Pátzcuaro gesehen, einer wunderschönen Stadt am Ufer eines großen Bergsees, im Herzen Michoacáns, einem der landschaftlich schönsten Bundesstaaten von Mexiko.

Süßigkeiten zum Día de los Muertos

Auch am nächsten Tag blieb uns noch ein wenig Zeit die Stadt zu erkunden, bevor wir uns auf den Weg zu der Werkstatt machten, um meinen Oldtimer abzuholen. Dort angekommen wurde mir aber gesagt, dass es nicht möglich war ein Teil aufzutreiben und so mussten wir die Schese zurücklassen und kehrten mit dem Bus zurück.

Nach einer recht ereignislosen Uniwoche (soweit ich mich erinnere), stand ein Besuch bei Freunden meiner Mutter verbunden mit dem Abholen meines Wagens, auf dem Programm. Saul und Dalila wohnen in Uruapan, eine unspektakuläre Stadt, ebenfalls in Michoacán. Dort angekommen holten uns die beiden vom Busbahnhof ab und wir gingen erstmal in einem Restaurant essen, dessen Lärmpegel so manche deutsche Disko bei weitem übertraf. Es folgte ein Verdauungsspaziergang im Parque Nacional und danach ging‘s noch auf einen Kaffee ins Zentrum, bevor wir uns auf den Weg zum Haus unserer Gastgeber und ins Bett machten.

Am nächsten Tag ging es zu einem Vulkan, dem Paricutín. 1943 pflügte ein Bauer gerade seine Felder, als sich plötzlich ein Riss in der Erde auftat, aus dem heiße Asche und Dampf austrat. Der gute Mann versuchte zunächst den Riss mit Erde zuzuschütten. Es blieb jedoch bei dem Versuch, denn ein Vulkan hatte begonnen aus seinem Acker zu wachsen und innerhalb von nur einem Jahr war er schon 410 Meter hoch und hatte mit seiner Lava die umliegenden Dörfer verschluckt, deren einziges Überbleibsel ein Kirchturm ist, der bis heute aus dem Lavagestein ragt.

Paricutín

Am frühen Nachmittag machten wir uns auf den langen Weg mein Auto abzuholen. Das fehlende Teil hatte ich in Guadalajara besorgt und nach einer Stunde war es eingebaut und wir machten uns auf den Rückweg. Erst am späten Abend kamen wir wieder in Uruapan an. Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass mein grün-weißer Partybus immernoch Öl verliert, also musste ich die Karre notgedrungen in einer örtlichen Werkstatt lassen und mit einem Linienbus die Heimfahrt antreten, während meine Mutter und Detlef sich auf den Weg zum Strand machten.

Am darauffolgenden Wochenende war ich mit meiner Mutter und meinem Onkel Juan in Lagos verabredet. Wir machten uns ein paar gemütliche Tage dort, fuhren zum Rancho zum Reiten und aßen Abends im Mesón, dem Restaurant meines Onkels. Alles im Allem ein ruhiges und aber sehr schönes Wochenende.

Eine weitere Woche später ging es wiedermal nach Mexiko-Stadt. Und obwohl auch diesmal wieder eine Reihe von Besuchen bei Verwandten auf dem Programm standen, hatte ich Gelegenheit ein bisschen mehr von der Stadt zu sehen, etwa einen Teil des historischen Zentrums, das auf den Überresten der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlan errichtet wurde, und auch Coyoacán, einen der ruhigsten und schönsten Teile der Stadt. Am Sonntag fuhren wir sogar nach Teotihuacán, wo sich die größte der mexikanische Pyramiden, die Sonnenpyramide, befindet.

Teotihuacán

Dummerweise hat man keinen blassen Schimmer, wer diese beeindruckende Anlage gebaut hat. Als die Spanier hier ankamen, war die Stadt bereits seit langer Zeit verlassen. Insgesamt also auch wieder ein sehr schönes Wochenende. Mexiko-Stadt ist eine beeindruckende, unglaublich facettenreiche Stadt, von der ich in meinen zwei bisherigen Besuchen nur einen sehr kleinen Teil kennengelernt habe. Ich komme aber sicher bald wieder.

Vor etwa zwei Wochen hab ich dann auch meinen Bus abgeholt und wir sind in ein neues Haus gezogen. Wir haben jetzt insgesamt acht Zimmer. Es gibt den Plan hier eine Art kostenlose Kulturschule einzurichten. Tlacatecatl will Theaterstunden geben, Eferh wird Malerei und Bildhauerei unterrichten…tja und ich soll Deutschstunden geben. Mal schauen was daraus wird. Bis jetzt ist von Kultur jedenfalls noch nichts zu merken. Es muss noch einiges gemacht werden und im Moment ist mein Zimmer recht unwirtlich. Den Strom klauen wir, indem wir die Hochleitung anzapfen, die ein Meter vom Balkon entfernt verläuft, Internet gibt‘s manchmal und heißes Wasser erst seit einer Woche wieder, nachdem wir einige Tage damit verbracht haben sämtliche Leitungen vom Schlamm und Schleim der letzten zehn Jahre zu befreien und einen notdürftig geflickten Boiler einzubauen. Derweil haben wir das Wasser eimerweise mit einem Tauchsieder erhitzt. Eine unbefriedigende Lösung, da es erstens extrem lange dauert und zweitens einige Gefahren birgt. Einmal hab ich mir einen heftigen Stromschlag gefangen ein anderes Mal hab ich die Eimer verwechselt und mich unfreiwillig mit dreckigem Wischwasser gewaschen. Kann also nur besser werden!

Die letzten Tage war ich eigentlich Tag und Nacht an der Uni, was hier keineswegs ungewöhnlich ist, da man zum Ende des Semesters für jeden Kurs ein finales Projekt abgeben muss. Und da hier viele, genau wie ich, alles auf den letzten Drücker erledigt, sind sämtliche PC-Pools in der letzten Woche auch nachts gut besucht. Irgendwann übermannte mich die Müdigkeit schließlich doch und ich begab mich auf die Suche nach einer Schlafgelegenheit. In einem leeren Raum legte ich mich auf zwei zusammengeschobene Tische und schlief den Schlaf der gerechten, bis ich morgens von einem Professor geweckt wurde, der seine Stunde beginnen wollte.

Nun habe ich aber mein erstes Semester hinter mir und kann mich endlich auf eine längere Reise machen. Morgen, spätestens übermorgen fahre ich los, um Lisa im 2200 Km entfernten Cancun abzuholen. Mal schauen, bis wohin mich mein Knollimobil diesmal bringt. Drückt mir die Daumen!!!
Ist jetzt irgendwie ein bisschen lang geworden, aber ich hab mich ja auch lange nicht gemeldet. Danke jedenfalls, an Alle die bis hierhin gelesen haben und an Alle die ihre Grüße hinterlassen haben. Auch wenn‘s mir keiner glaubt, aber ich hatte tatsächlich auch ein bisschen an der Uni zu tun, so dass ich einfach nicht dazu gekommen bin euch auf den neuesten Stand zu bringen. Lo siento! Dazu kommt, dass die Zeit hier irgendwie verflucht schnell vergeht. Wie auch immer, bis bald, liebe Leute.

P.S.: Sind natürlich schwere Zeiten für alle VfB-Fans. Da macht man auch keine Witze drüber. Wär schließlich unsportlich.

P.P.S.: Die Hertha wäre sicher bereit dem VfB ein paar Punkte zu schenken, aber das erlaubt der DfB leider nicht.

20.10.2008

Lebenszeichen

Hallo an alle, die sich von Zeit zu Zeit noch auf diese Website verirren. Nun hab ich wirklich eine Weile nichts mehr von mir hören lassen. Über zwei Monate bin nun schon in Mexico und schreibe heute meinen dritten Eintrag. Doch ich gelobe, diese Quote in Zukunft zu verbessern.

Dann will ich mal versuchen mich zu erinnern, was im vergangenen Monat so passiert ist.
Am 14. September habe ich mich nach Lagos de Moreno aufgemacht, um dort mit meinen Verwandten den mexikanischen Unabhängigkeitstag zu feiern. Am 16. September 1610, müsst ihr nämlich wissen, hat ein mexikanischer Priester namens Miguel Hidalgo im Morgengrauen die Kirchenglocken seiner Gemeinde Dolores läuten lassen, um den verschlafenen Bürgern seinen Plan eines Aufstands gegen die spanischen Kolonialherren zu verkünden. Der Beginn der mexikanischen Unabhängigkeit!
Wir jedenfalls sind am Morgen des 14. nach la Unión, einer kleinen Stadt nahe Lagos, gefahren. Dort findet alljärlich im Rahmen der Festlichkeiten eine Veranstaltung statt, deren Zusammenhang mit der Unabhängigkeit sich dem unbedarften Besucher nicht unmittelbar erschließt. Bei der „Coleadera“, was übersetzt soviel heißt wie „Schwanzfest“, reiten eine Reihe mexikanischer Cowboys hinter einem verängstigten Stier her, um diesen am Schwanz zu greifen und ihn durch heftiges Zerren zu Fall zu bringen. Dieses Spaktakel dauert zwei Tage und was anfänglich noch lustig und spannend ist, wird dann doch recht schnell langweilig.

So geriet der Wettbewerb schnell zur Nebensache und es entwickelte sich ein lustiges Gelage, in dessen Verlauf ich mich dann möglicherweise ein bisschen betrunken habe. Gegen Abend hatte mein Onkel Juan dann auch sein erklärtes Ziel erreicht und machte sich voll wie eine Strandhaubitze auf den Heimweg, während meine Tante Lusanna, mein Onkel Alejandro und ich noch in die Stadt fuhren. Auf der zentralen Plaza von la Unión am Abend nämlich ein weiteres Fest statt, deren Spielregeln mir folgendermaßen erklärt wurden. Alle Frauen im heiratsfähigen Alter zirkulieren um die Plaza. Alle Männer (aller Alterklassen) zirkulieren im umgekehren Sinne um die Plaza. Wenn ein Mann eine Frau hübsch findet, bewirft er sie mit Konfetti. Kurzerhand bewaffneten wir uns also mit Konfetti, gingen auf die Jagd und bewarfen alles was uns entgegenkam. Auch meine Tante Lusanna war da nicht eben schüchtern. Leider kann ich nicht behaupten, dass die Reaktionen durchweg positiv waren, was unter Umständen daran lag, dass große Teile Konfetti in diversen Getränken landeten, aber in solchen Situationen kann man dann ja seinen Ausländerbonus ausspielen. ¡No entiendo!

Die Nacht verbrachten wir auf dem Rancho und am nächsten Morgen haben wir, nach einem guten mexikanischen Frühstück, einen kleinen Ausritt unternommen, der mich endgültig zur Einsicht gebracht hat, dass mir das mit dem Reiten leider nicht in Wiege gelegt wurde. Während sich der verfluchte Gaul bei meinem letzten Ausritt darauf beschränkt hat meine Anweisungen zu ignorieren, hatte ich es diesmal mit einem außerordentlich hinterhältigem Klepper zu tun, der keine Gelegenheit ausgelassen hat sich meiner zu entledigen, indem er knapp an einem Kaktus entlangritt oder unter Bäumen hertrabte, an deren tiefhängenden Ästen er mich loszuwerden versuchte. Trotz der hinterhältigen Attacken dieser Bestie, hab ich es zurück zum Rancho geschafft ohne im Schlamm zu landen, jedoch nicht ohne diverse Kratzer davongetragen zu haben.

Später machten wir uns erneut auf den Weg nach la Union um für einige Stunden dem zweiten Teil der Coleadera beizuwohnen. Nachmittags bin ich mit meinem Onkel Juan zurück nach Lagos gefahren. Dort waren wir mit seiner Freundin Carolina und ihren Kindern, Samanta und Nuri, verabredet um auf der Plaza von Lagos den Höhepunkt des Unabhägigkeitstags, zu sehen. Beim sogenannten Grito verliest in jedem noch so kleinen Städtchen von Mexiko der Bürgermeister, oder in den größeren Städten der Gouverneur, ein Loblied auf die Nationalhelden Mexikos, dass von der Menge begeistert wiederholt wird…viva Hidalgo, viva Morelos, viva Allende, viva la independencia, viva Mexico!!!! Also haben wir uns mit Fähnchen und Tröten ausgestattet und sind unserer patriotschen Pflicht nachgekommen.

Zurück in Guadalajara musste ich dann noch eine Uniwoche überstehen, bis ich mich über den Besuch von Lisa freuen durfte. Direkt am Tag nach ihrer Ankunft machten wir uns auf den Weg nach Puerto Vallarta, einer Touristenhochburg an der Pazifikküste, um von dort weiter nach Yelapa zu reisen, wo wir nach 7 Stunden Busfahrt, 40 Minuten Taxifahrt und weiteren 20 Minuten Bootsfahrt ankamen.


Yelapa

Yelapa zeichnet sich dadurch aus, dass es mit dem Auto praktisch nicht zu erreichen ist und dadurch von den Touristenmassen aus Puerto Vallarta weitgehend verschont bleibt. Ausländer gibt es zwar reichlich, aber das sind meist amerikanische Hippies, Rentner oder beides, die dort zumindest einen Teil des Jahres verbringen. Wir jedenfalls haben uns eine kleine Hütte von einem kleinen Mexikaner gemietet und haben dort drei schöne Tage verbracht. Die Zeit haben wir uns mit allem Möglichen vertrieben, nur am Strand waren wir kaum. Dafür sind wir stundenlang über Felsen geklettert und durch den Dschungel marschiert um einen Wasserfall zu finden, den ich bis heute nur aus Erzählungen kenne. Abends sind wir zum Essen ins Dorf gegangen, was sich dadurch schwierig gestaltete, dass unsere Hütte durch einen Fluss vom Rest der Welt getrennt war und es nur eine Furt gab, durch die man besagtes Dorf erreichen konnte. Wie trocken oder nass man am anderen Ufer ankam hing von der Tagesform des Flusses ab. Der allabendliche Rückweg wurde uns zusätzlich erschwert durch Tausende von Kröten, Krebsen und sonstigem Getier, das Abends aus seinen Löchern oder weiß der Geier woher kam um auf dem einzigen Weg zu unserer Hütte weiß der Kuckuck was zu machen (von der allgegenwärtigen Pferdescheiße mal ganz zu schweigen). Nun mag der eine oder andere denken, dass man sich um so eine Kröte nicht zu sorgen braucht, dass die schon weghüpft im letzten Augenblick, bevor man drauftritt. Da war ich mir auch ganz sicher, aber als ich den Beweis antreten wollte, wäre eine dieser Monsterköten fast krepiert, ohne sich allerdings auch nur einen Millimeter vom Fleck zu rühren. Kröten sind laut Lisa übrigens süß, Krebse nicht. Ich weiß beim besten Willen nicht, was an Kröten süß sein soll, aber bitte…

Am zweiten Tag bin ich auf die, wie ich fand, großartige Idee gekommen ein Kajak zu leihen, um damit einen der einsamen Strände zu erreichen, die wir auf der Hinfahrt vom Boot aus gesehen hatten. So toll war die Idee dann aber irgendwie doch nicht, denn in so ‘nem Schnellboot mit zwei 200-PS-Außenbordern ist man halt doch schneller als zu zweit in einem kleinen, gelben Kajak mit einem kaputten Paddel. Nach zwei Stunden sinnlosem Rumgepaddel in der prallen Sonne, hatten wir die Nase voll. Dumm nur, dass ich dieses Kajak schon für zwei Tage gemietet und vor allem bezahlt hatte und es deshalb nicht schon nach zwei Stunden wieder abgeben wollte. Also haben wir das vermaledeite Ding an den Strand befördert und haben uns anderen Dingen zugewandt. Als ich es am nächsten Tag dann doch abgeben wollte, war‘s nicht mehr da. Nun war ich mir aber sicher, dass mir der Typ, bei dem ich dieses Ding geliehen hatte, wenn ich ihm erzählt hätte, dass uns sein Bötchen abhanden gekommen ist, irgendeinen Fantasiepreis berechnet hätte, den ich zu zahlen nicht gewillt gewesen wäre. Deshalb sind wir, und darauf bin ich wirklich nicht stolz, am darauffolgenden Tag einfach abgehaun und so lehnt dass Paddel zu dem Kajak wahrscheinlich bis heute sinnlos an unserer Hütte.

Da ich ja nicht einfach zwei Wochen die Uni schwänzen konnte (wobei, wer Kajakvermieter prellt, der kann auch Uni schwänzen.), mussten wir erstmal nach Guadalajara zurückkehren. Doch gleich am Donnerstag sind wir wieder aufgebrochen, diesmal nach Guanajuato, einer wunderschönen Kolonialstadt nördöstlich von Guadalajara, von der ich in einem frühereren Reisebericht schon erzählt habe. Dort angekommen, wurden wir sehr herzlich in einem kleinen Hotel namens Casa Berta aufgenommen. Die Tage verbrachten wir damit durch die vielen kleinen Gassen, vorbei an unzähligen Kirchen, zu streifen.

Große Teile der Stadt sind nur zu Fuß erreichbar und da die Stadt Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist, gibt es auch da wo Autos fahren keinerlei Verkehrszeichen. Am zweiten Tag unternahmen wir einen Ausflug zu einer der nahen Silberminen denen Guanajuato über viele Jahre seinen Reichtum zu verdanken hatte.


Guanajuato ist links, San Miguel rechts

Am Sonntagmorgen reisten wir weiter nach San Miguel de Allende. Nachdem wir uns die sehr schöne, aber auch recht kleine Innenstadt angeschaut hatten nahmen wir uns ein Taxi zum botanischen Garten, der etwas außerhalb liegt, aber im Lonely Planet als sehr sehenswert angepriesen ist. Obwohl es auch tatsächlich ein schönes Plätzchen ist, ist die Bezeichnung botanischer Garten eine maßlose Übertreibung. Vielmehr ist ein findiger mexikanischer Geschäftsmann wohl auf die geniale Idee gekommen, ein Stück Land, mit dem sonst nichts anzufangen ist, einzuzäunen und als lohnendes Touristenziel zu verkaufen. Inwiefern sich die Landschaft innerhalb des Zauns, von der außerhalb unterscheidet, war für mich jedenfalls nicht erkennbar. Drinnen wie draußen gab es Tausende von Kakteen.

Am nächsten Tag mussten wir auch leider schon wieder die Rückreise antreten. Während ich also wieder ein paar Tage in die Uni musste, in erster Linie um die Hausaufgaben zu machen, die so anstanden und von mir in der Vorwoche etwas vernachlässigt wurden, machte sich Lisa eine schöne Zeit in der Innenstadt von Guadalajara. Nachmittags verbrachten wir aber auch immer noch etwas Zeit gemeinsam. Am Donnerstag fuhren wir noch Tlaquepaque, einem Teil von Guadalajara, der bekannt für sein schönes Zentrum und jede Menge Kunsthandwerk ist. Am Freitag machten wir uns schließlich auf den Weg zu einem letzten Tagesausflug nach Chapala, ehe Lisa am Sonntag die Heimreise antreten musste. Chapala ist ein kleines Städtchen am Rande des größten Sees Mexiko’s. Chapala war aber, auch wenn die Mexikaner das irgendwie anders sehen, nicht sehr schön und eher langweilig, deshalb fuhren wir kurzerhand weiter in das zwanzig Minuten entfernte und wesentlich schönere Dorf Ajijic. Ajijic scheint, wie Yelapa, ein Ort zu sein, wo es viele US-Rentner hinzieht. Jedenfalls ist alles sehr beschaulich und gepflegt und viele Hauswände sind mit kunstvollen Malereien verziert. Nach einem letzten Tag in Guadalajara, brachte ich Lisa Sonntag zum Flughafen.

Seitdem ist hier auch nichtmehr sehr viel passiert. Vergangenen Freitag gab mein Mitbewohner Tlacateca eine Geburtstagsfeier. Nach einem eher ruhigen Beginn, hatten wir die Bude gegen ein Uhr nachts dann voll. An vieles kann ich mich nicht danach nicht mehr erinnern. Jedenfalls riecht es nun in einer Ecke unserer Terasse stark nach Urin und die etwas morbide anmutende Wandmalerei in meinem Zimmer wurde um einige Grafittis erweitert. Desweiteren wurde der Sombrero von Tlaca entwendet. Weitere Schäden haben wir bislang nicht verzeichnen müssen.

Ich wünsche euch allen alles Gute und danke jenen, die ihre Grüße hier hinterlassen haben. Ich melde mich bald wieder.
Saludos de Guadalajara…

P.S.: Mein herzliches Beileid an alle Unterstützer des VfB, aber diesmal waren wir einfach besser. Nehmt’s wie echte Sportsmänner. Schöne Grüße vom Platz 4 der Bundesliga…

Hallo Liebe Leute,
es ist mal wieder an der Zeit, euch auf den neuesten Stand zu bringen. Und das Beste ist wohl, mit dem Reisebericht da weiterzumachen, wo ich beim letzten Mal aufgehört habe. Am Wochenende nach meinem letzten Eintrag, hab ich meine sieben Sachen gepackt und habe mich auf den Weg nach Lagos de Moreno gemacht, wo mein Onkel Juan, wohnt. Die Fahrt nach dorthin dauert etwa zweieinhalb Stunden, aber weil ich mindestens genauso lange gebraucht hab, um den Busbahnhof in Guadalajara zu finden, bin ich erst spät am Abend dort angekommen. Lagos de Moreno ist ein kleines, hübsches Kolonialstädtchen, etwa so groß wie Ulm, nordöstlich von Guadalajara. Mein Onkel wohnt außerhalb der Stadt der Stadt in einem sehr schönen Haus. Auf dem Grundstück wohnen außerdem ein Pferd, ein Hund und ein Hahn. Da sich der Gaul entschieden dagegen wehrt geritten zu werden, steht er aber den ganzen Tag dumm rum und frisst oder gafft durch die Fenster ins Haus.

Am nächsten Morgen machten wir uns zeitig auf den Weg zum Rancho, einem uralten Gebäude, das schon seit Ewigkeiten im Besitz meiner mexikanischen Familie ist. Dort trafen wir auf Enrique, einen weiteren Onkel, und sattelten die Pferde für einen kleinen Ausritt. Das letze Mal, als ich in Lagos war, versuchte mein Opa mir, einem verwöhnten Stadtkind, den Reitsport etwas übereilt näherzubringen und lieh mir einen Satz Sporen, was mir gut gefiel, meinem Pferd aber gar nicht. Als ich aufstieg, legte dieser verschissene Klepper ein ungeahntes Temperament an den Tag und galoppierte urplötzlich los, während ich alle Mühe hatte mich im Sattel zu halten. Als ich erkannte, dass das gute Tier schnurstracks auf ein paar Bäume zusteuerte um mich an den niedrigen Ästen loszuwerden, entschied ich mich zu einem todesmutigen Sprung in den Dreck, um meinem nahenden Tod zu entrinnen. In Anbetracht meiner begrenzten Reitkünste wurde mir dieses Mal ein Pferd hergerichtet, das wahrscheinlich die mexikanische Revolution noch erlebt hat, mit Sicherheit aber die 90 Pferdejahre schon weit überschritten hatte und daher eine gewisse altersbedingte Gutmütigkeit aufbrachte. Mit anderen Worten: Genau das richtige Pferd für mich, und so stand unserem Ausflug nichts mehr im Wege. Und wie wir da so ritten fühlte ich mich zunehmend sicherer und mich überkam ein Anflug von Hochmut. Ich fühlte mich frei, ich ritt auf einem Pferd, folgte den Spuren meiner Ahnen. Ich glaubte tatsächlich ich hätte Kontrolle über dieses Geschöpf, auf dessen Rücken ich mich befand und so entschied ich mich ganz verwegen, kurzerhand eine andere Richtung einzuschlagen, und nicht weiter meinen Onkeln zu folgen. Das ging auch ca. 50 Meter gut, doch dann blieb mein treues Ross stehen und ließ sich weder durch gutes Zureden, noch durch rohe Gewalt dazu bewegen auch nur einen einzigen Meter weiterzureiten. Ich wünschte mir die Sporen meines Opas, um dem verfluchten Gaul Beine zu machen, aber was blieb mir übrig, als klein beizugeben und schließlich zurück zu den Anderen zu reiten und mir bewusst zu machen, das mein Traum vom Cowboydasein eine Illusion war.

Nach vielleicht drei Stunden machten wir uns auf den Rückweg nach Lagos, wo mein Onkel Juan ein Familienessen organisiert hatte. Es kamen sämtliche Verwandte aus der Umgebung, viele auch aus Leon, was etwa eine Stunde von Lagos entfernt liegt. Ich wurde noch zwei weiteren Onkels und drei Tanten vorgestellt und lernte außerdem noch sechs Cousins und Cousinen kennen. Als sich gegen Abend alle auf den Heimweg machten, fragten mich meine Cousinen, ob ich Lust hätte mit nach Guanajuato in eine Disko zu kommen. Guanajuato ist eine wunderschöne kleine Stadt, die vor allem bekannt für den Abbau von Silber während der Kolonialzeit ist und die Disko war auch im Stile einer Mine, einige Meter unter der Erde aus dem Stein gehauen. Leider habe ich nicht viel von der Stadt gesehen, aber genug, um mir vorzunehmen, sehr bald wiederzukommen.
Am nächsten Tag bin ich erst um 2 Uhr Nachmittags wiedergekommen und wir haben den Abend in der Bar meines Onkels Juan verbracht. Ein altes Gebäude im Kolonialstil, welches schon eine Taverne beherbergte, als Besucher noch mit dem Pferd anreisten.
Am nächsten Tag unternahmen wir noch einen ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt, bevor ich mich nachmittags auf den Rückweg machte.

Am folgenden Dienstag begann das Semester an meiner Uni. Ich habe fünf Kurse: Agentes Inteligentes, Sístemas Operativos, Sístemas Embebidos, Programación Grafica und Programación Web. Montag ist mein freier Tag, Dienstags und Donnerstags bin ich von 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends an der Uni und Mittwochs und Freitag hab ich noch einen Kurs um 7 Uhr morgens, was für mich bedeutet, das ich um Viertel vor sechs aufstehen muss, um mich zur überfüllten U-Bahn zu schleppen. Von der Endstation des Tren Ligero gibt es einen Shuttle-Service vom Iteso, der mich zur Uni bringt. Dieser lässt leider öfter auf sich warten. Das schöne ist, dass ich zwischen meinen Vorlesungen ausgiebige Pausen habe und mir ein Bäumchen suchen kann, um eine kleine Siesta einzulegen. Die Kurse unterscheiden sich erheblich von dem, was wir so gewohnt sind. Zu Beginn jeder Stunde wird die Anwesenheit überprüft, wobei mein Nachname regelmäßig für Heiterkeit sorgt. Dann wird der Stoff der letzten Stunde wiederholt und es werden Fragen an die Studenten gerichtet. Insgesamt also eher wie inner Schule. Die Atmosphäre ist dennoch entspannt, es wird viel rumgealbert und die Dozenten sind locker.

Neben der Uni finde ich immer noch Zeit etwas durch die Stadt zu schlendern und mir das Treiben auf der Straße anzuschauen. Vor kurzem bin ich unfreiwillig in eine Show von zwei Straßen-Clowns geraten. Da ich den Touri-Look mit Kamera, Flip-Flops und Sonnenbrille immer stramm durchziehe, war ich prädestiniertes Opfer und wurde prompt nach vorne gebeten. Da ich nicht viel verstanden hab, konnte ich nur infantil grinsend dastehen, während die beiden zur Belustigung aller Anwesenden reichlich Zoten rissen.

Aber so ist das halt, wenn man fremd und nicht vertraut mit den regionalen Sitten und Gebräuchen ist. Das Müllentsorgungssystem ist zum Beispiel eines dieser Rätsel des Alltags. Als ich letzte Woche von der Uni kam und gerade die Haustür aufschließen wollte, fuhr die Müllabfuhr vorbei und der Fahrer gab mir mit Rufen und Zeichen zu verstehen, das ich doch bitte die Mülltüten von der Straße hinten in den Müllwagen schmeißen sollte. Ich bin ja nicht zimperlich, also in die Hände gespuckt und los ging’s. Während also der Müllmann vorne in der Fahrerkabine saß und ich hinten mit den Mülltüten hantierte, kamen dann noch zwei ältere Damen hinzu, drückten mir ihre Mülltüten in die eine Hand und fünf Pesos in die andere Hand, und verschwanden wieder. Diese Geschichte fanden meine mexikanischen Mitbewohner recht lustig.

Auch an den Verkehr muss man sich gewöhnen, selbst wenn man so ein ausgebuffter Großstadtmensch ist, wie ich. Fußgängerampeln gibt es nur sehr sporadisch. Man muss sich also danach richten, wann die Autos rot haben, um eine Straße zu überqueren und man sollte sich beeilen, denn wenn die Ampel auf grün springt, fahren die Autos los. Wer dann noch auf der Straße ist hat Pech. Kein Wunder also, dass Unfälle hier an der Tagesordnung sind. Ich selbst hab schon vier gesehen. Als ich vor einer Woche beispielsweise zum Laden an der Ecke gehe und gerade über Straße gehen will, fährt da eine Karre volles Rohr bei rot über die Ampel und kracht in einen Motorroller. Der Typ fliegt seitlich von seinem Motorroller und schlittert ein zwei Meter über den Asphalt. Ich denk natürlich: Fuck, der steht nicht mehr auf!!! Da dreht der Typ sich um stöhnt ein bisschen, nimmt den Helm ab. Ein paar Sekunden später kommt die Polizei. Als ich aus dem Laden komme ist der Rollerfahrer, den ich schon im Himmel wähnte, dabei den Autofahrer lautstark und äußerst unfein zu beschimpfen. Zu Recht natürlich.

Auch das Taxifahren will gelernt sein. So reicht es nicht etwa aus, wenn man Straße und Hausnummer kennt. Man sollte zumindest auch noch die Querstraßen und die Colonía (so ne Art Bezirk) kennen. Gestern saßen wir mal wieder in einem Taxi ohne eben dieses essentielle Wissen und sind eine geschlagene Stunde durch die Stadt gegurkt, um eine Adresse zu finden. Auch die Anordnung der Haunummern ist recht verwirrend. Da folgt schon gerne mal eine Nummer 12 auf eine Nummer 6085. Am Ende sind wir jedoch sicher ans Ziel gekommen und unser Taxifahrer, der bezeichnenderweise Jesus hieß, hat uns gerade mal knapp 150 Pesos (10€) abgeknöpft.

Am Freitag kam meine Tante Lusanna mit Mann und Kindern, anlässlich einer Ausstellungseröffnung meines kunstschaffenden Onkels Carlos nach Guadalajara. Auf dieser Veranstaltung gab es viel Kunst, viel Mezcal und ein Wiedersehen mit jenem älteren Herrn, auf dessen Fiesta ich mich eines Abends wiederfand. Ich hab den Typen ja schon in meinem letzten Eintrag eingehend beschrieben. Jedenfalls hab ich mich nicht gewundert, dass der Typ Künstler ist. War eigentlich klar.
Nach der Ausstellungseröffnung sind wir noch in eine Cantina gegangen. Eine traditionelle Bar, wo getanzt, gespeist und viel getrunken wird.
Am Samstag sind wir dann zu Bruno und Indira, guten Freunden von Carlos und Lusanna gefahren. Die beiden leben in Zapopan, ein Stückchen außerhalb von Guadalajara, in einem Haus, das von einem Wald umgeben ist, in dem die Affen in den Bäumen rumturnen. Dort wurde dann gegrillt und jede Menge Gras geraucht. Ich habe zwischendurch ein bisschen mit meiner 5-jährigen Cousine Natalia am Teich gespielt. Ich glaube Natalia hält mich für bescheuert, weil ich nicht alles verstehe und komische Sachen sage, aber wir hatten trotzdem Spaß.

Soviel für den Moment, danke für die Kommentare, Peace…

14.08.2008

Die ersten Tage

Hallo liebe Leute,
nachdem ich bislang etwas schreibfaul war, will ich nun mal anfangen zu berichten, wie es mir hier in den ersten 10 Tagen so ergangen ist. Im Großen und Ganzen hat alles wunderbar geklappt. Mein erster Flug ging von Berlin nach London. Dort hab ich einen weiteren Austauschstudenten, Ferdinand, getroffen, der auch mit mir in Ulm studiert. Von London ging es nach Dallas. Beim einchecken wurde Ferdinand erstmal von oben bis unten gefilzt, während ich unbehelligt passieren durfte. In Dallas hab ich mich beeilt, um schnell die Einreiseformalitäten hinter mich zu bringen, mein Gepäck vom Gepäckband zu nehmen und selbiges, nachdem es erneut kontrolliert wird, wieder aufzugeben. Schließlich habe ich auf einer früheren Reise nach Mexiko durch eben diese schwachsinnige Prozedur meinen Anschlussflug verpasst. Dumm nur, dass auf dem Gepäckband nicht ein einziger Koffer war, der mir bekannt vorkam. Dabei hatte ich beim Einchecken in Berlin extra noch gefragt, ob sich an den Sicherheitsmaßnahmen etwas verändert hat, und die Antwort war ein klares Nein. Als ich gerade mit dem komplett ahnungslosen Gepäck-Menschen von American Airlines sprach, kam dann auch ein leicht verstört dreinblickender Ferdinand hinzu. Nachdem man ihn in London schon gefilzt hatte, wurde er in Dallas noch mal in ein halbstündiges Verhör genommen. Dabei wollte der, genau wie ich nichtmal in den Staaten bleiben, sondern eben nur durchreisen. Wenigstens war einer seiner beiden Koffer auf dem Gepäckband. Als wir einige Stunden später in Guadalajara ankamen waren wir also umso erleichterter, als wir unser Gepäck in die Arme schließen konnten. Versteh einer die Amis! Da unserer Flug mehrfach verschoben worden war, hatte ich schon nicht mehr damit gerechnet, dass wir abgeholt werden würden, doch tatsächlich stand da unsere Tutorin, Katia, auch eine Studentin am ITESO, die dort auf uns gewartet hatte und uns ins sicher ins Hostel brachte. Noch am gleichen Abend konnte ich meinen ersten Taco in einer kleinen Bude am Straßenrand essen.

Hostel Guadalajara

Die nächsten Tage verbrachten wir hauptsächlich mit der Wohnungssuche. Das erste Haus gehörte einer Frau, die praktisch jeden begehbaren Quadratmeter ihrer Wohnfläche schon an vier andere Studenten vermietet hatte und zudem noch einen Frisiersalon im Wohnzimmer untergebracht hatte. Es waren jedoch auch ein paar sehr nette Familien darunter.
Natürlich haben wir uns auch die Stadt etwas angeguckt. Es gefällt mir hier wirklich gut. In der Altstadt gibt es auch einige schöne und interessante Gebäude, wie etwa die Kathedrale oder das Teatro Degollado, aber natürlich ist es nicht überall schön, aber es ist unheimlich viel los auf den Straßen und es gibt sehr viel zu sehen. Überall preisen Verkäufer ihre, teils exotischen, Waren an. An jeder Ecke kann man sich für ein paar Pesos verköstigen lassen. Fünf Tacos, frischgepresster Saft oder eine Cola kosten etwa 0,70 €, ein Bier in einer Bar kostet selten mehr als 1,50 €, was ja für den einen oder anderen von euch schon ein Hauptkriterium für das Paradies auf Erden sein dürfte. Allerdings schmeckt nicht alles, was die Mexikaner als Delikatesse anpreisen. Vor ein paar Tagen hab ich mir auf einem Markt ein Plastikbecher mit Melonenstücken gekauft, da würzt diese verfluchte Verkäuferin ungefragt mit Limone und reichlich Salz nach. Kann man mal probieren, muss man aber nicht.
Nach einigen Tagen im Hostel habe ich eine Wohnungsanzeige gefunden, die sich sehr interessant anhörte. Eine Wohnung, nahe einer U-Bahnlinie, die ziemlich direkt zu meiner Uni führt und nur zwanzig Gehminuten vom Zentrum liegt. Dort wohnen zwei mexikanische Brüder, Tlacaelel und Tlacacatl , die den gleichen Spitznamen, nämlich Tlaca, haben, und ein mexikanisches Mädchen, Efe. Nach 2 Tagen weiterer Suche, habe ich zugesagt und wurde dann noch am selben Abend zu einer Fiesta eingeladen. Als ich gegen neun dort ankam saßen alle da und spielten Karten. Ein weiterer Mexikaner, Oscar sagte mir dann nach ein bisschen Smalltalk, dass er noch arbeiten müsse und fragte, ob ich mitkommen wolle, würde nur 15 Minuten dauern. Kann man natürlich nicht nein sagen, also haben wir uns auf die Socken gemacht. Als wir an einer Tankstelle vorbeikamen, angelte sich Oscar eine Plastikflasche aus einem Mülleimer und befüllte sie mit Benzin für genau 4 Pesos (weniger als 30 Cent). Auf mein Fragen hin erklärte er mir, er bräuchte das zum Feuer machen. So besoffen war ich noch gar nicht, und deshalb kam mir die ganze Sache schon ein bisschen Spanisch vor. Nachdem wir seinen Mitbewohner bei ihm abgeholt hatten kamen wir schließlich bei einer Bar an. Dort lieferte er dann eine Wahnsinns-Jonglier-Show mit brennenden Stäben ab. Das ganze nur wenige Zentimeter von den Gästen entfernt. Umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass er nicht eben nüchtern war. Als wir um Mitternacht zurück zum Haus kamen. Waren zwar mehr Leute da, aber so richtig los war trotzdem nichts. Erst um 1 Uhr nachts sind wir losgegangen und kurze Zeit später waren wir auf einer mexikanischen Hausparty. An viel kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß nur noch, dass es mindestens einen große Hund gab und das der Besitzer des Hauses entweder schon weit über 70 war oder schon jede Droge ausprobiert hat, die es auf diesem Planeten bzw. in Tijuana zu kaufen gibt und das es Tequila gab. Viel Tequila. Am nächsten Tag war ich schon um 10.00 Uhr wach. Aufstehen konnte ich aber erst so gegen 3 Uhr Nachmittags. Noch am gleichen Tag bin ich umgezogen.


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Mi Casa
Das Haus hat zwei Stockwerke. Mein Zimmer ist im oberen Stockwerk. Das Mobiliar ist so runtergekommen wie in der Pufferbar und an den Wänden hat sich irgendein verkannter Künstler ausgelassen und alles mit schwarzen Gestalten und suizidalen Gedanken verziert. Ich habe Zugang zu einer großen Terrasse, wo ich eine Hängematte und meinen Schreibtisch aufgebaut habe. In der Küche ist abends praktisch immer was los. Entweder wird gegessen, geredet oder Spiele gespielt. Beim Stadt, Land, Fluss konnte ich gestern trotz wiederholter Betrugsversuche nicht gewinnen. Ich kann nicht behaupten, dass es eine sehr ordentliche WG ist, ich kann aber ebenso wenig behaupten, dass mir das nicht entgegenkommt. Im Badezimmer gibt es keine Duschkabine, sondern lediglich eine Wasserdüse oberhalb des Waschbeckens. Gewöhnungsbedürftig ist dabei die Anordnung der Dusch- und Waschbeckenarmaturen, da man diese leicht verwechseln kann. Wenn man nicht aufpasst duscht man, täglich mehrmals unfreiwillig.
Zum Abschluss noch eine Tatsache: Man kann zwei Verlängerungskabel aneinander schließen ohne die Sicherung rauszuhaun und einen elektrischen Schlag zu bekommen. Drei sind zuviel.
In diesem Sinne, bis bald…

P.S.: Berlin Forever!!! Hertha rules!

20.07.2008

Bald geht’s los

Hallo liebe Leute!!!
Hab an dieser Stelle noch nicht viel zu berichten. In Zukunft werde ich versuchen in einigermaßen regelmäßigen Abständen kurze Berichte und ein Paar Bilder und Videos einzustellen. Am 3. August geht’s los.
Freu mich von euch allen mal zu hören…

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